- Tag,
Anreise (Sa. 28.07)
Janna und ich sind von Oldenburg in Holstein über Hamburg, Hannover und
Duisburg mit dem Zug nach Düsseldorf zum Flughafen gefahren. Dort, beim
Einchecken gingen dann die Schwierigkeiten los. Wir hatten nur ein
One-Way-Ticket gebucht und beinahe hätte niemand beim Check-in etwas
gesagt, aber eine der Mitarbeiterinnen von LTU sagte plötzlich, dass wir
mit einem One-Way-Ticket nicht nach Kenia einreisen könnten. Wir (Petra,
Helmut, Janna und ich) wurden also zum Ticketschalter geschickt, um einen
Rückflug zu buchen. Zum Glück war das überhaupt kein Problem, und so sind
wir alle mit Rückflügen ausgestattet worden. Diese sind umbuchbar, so dass
wir alle an dem Datum zurückfliegen können, an dem wir möchten.
Schlussendlich kamen wir dann, an dem für den Flug LT 660 vorgesehene Gate
C46, an. Wir mussten noch eine halbe Stunde warten und dann ging es
endlich los in den Flieger und somit auf den Weg in Richtung Afrika!
2. Tag (So. 29.07)
Die Stunden im Flieger waren vor allem durch eines geprägt: Enge.
Doch auch diese Zeit ging vorbei und dann stiegen wir aus dem Flugzeug in
Mombasa aus. Was erwartete uns dort? Natürlich wieder erst einmal Schlange
stehen. Das war dem Umstand zu verdanken, dass gleichzeitig mit unserer
Maschine noch drei weitere Ferienflieger am Mombasa International Airport
landeten. Wir standen also anderthalb Stunden Schlange, um dann endlich
unser Einreise-Visum zu bekommen. Wir holten unsere Gepäckstücke ab und am
Ausgang wartete schon Mama Grace mit Celina (eines der Mädchen aus dem
Heim).
Am Parkplatz wartete schon ein Fahrer mit einem Nissan Kleinbus. Nachdem
unser Gepäck sicher in dem Bus verstaut war, ging es durch Mombasa nach
Kilifi. Zum ersten Mal bekam ich hier nun eine ganze Stadt voller
schwarzer Menschen zu sehen. Da ich dies noch überhaupt nicht kannte, war
es für mich ein unglaubliches Erlebnis. Als wir weiter in Richtung
Randgebiete von Mombasa fuhren, habe ich mit eigenen Augen sehen können,
wie arm die Menschen hier alle sind. Das ist, wenn man die Zustände nur
aus Berichten und den Medien kennt, kaum vorstellbar. Eine Beklemmung
beschlich mich, die ich noch nie vorher gekannt hatte. Herausgerissen aus
diesen eher trüben Gedanken wurde ich erst wieder, als wir aus Mombasa
heraus fuhren und auf Strassen kamen, die ich nicht mehr Strasse nennen
würde. Ein Schlagloch liegt auf dieser Strasse am nächste, und der Fahrer
muss die ganze im Zickzack fahren, um die größten Schlaglöcher zu
vermeiden.
Nach einer Stunde Fahrt, gefühlte acht Stunden, kamen wir endlich in Kilifi
in der Bofa Road an. Uns erwarteten freudige Kindergesichter, und
natürlich bekamen wir gleich einige Lieder als Begrüßungsgeschenk
gesungen.
Die Mamas servierten uns eine Wunderbaren kenianischen Chai (=Tee) und
einige belegte Brote. Danach gingen Janna, Petra, Helmut und ich zu
unserem Haus, um unsere Sachen aus zu packen und die Kleiderspenden für
die Kinder beiseite zu legen. Hier dämmerte es bei Petra so langsam, sie
hatte den Koffer mit ihrer gesamten eigenen Kleidung auf dem Laufband am
Flughafen in Mombasa vergessen. Die Freude war natürlich riesengroß!
Nun ging es zurück zum Heim, wo wir Spaghetti zum Mittag serviert bekamen.
So langsam begann ich nun zu realisieren, dass ich wirklich in Afrika war.
Die Müdigkeit nach der anstrengenden Reise war aber so groß, dass ich
diesen Fakt noch nicht ganz aufnehmen konnte.
Eine große Freude bereiteten Helmut und Petra den Kindern und auch den
Mitarbeitern, indem sie anfingen die aus Deutschland mitgebrachten Sachen
verteilten. Jetzt wurde getauscht; nach dem Prinzip: alt gegen neu. Nur
wer ein altes Kleidungsstück brachte, bekam dafür eine neues geschenkt.
Die Trennung von den alten Klamotten war zwar schwer, aber beim Erhalten
der neuen Dinge waren die alten Sachen schon wieder vergessen.
Am Nachmittag gingen Helmut und ich mit den Jungs zum Strand in der Nähe
des Baobab Hotels. Janna und Petra gingen mit den Mädchen nur quer über
die Strasse zur Chambai Lodge, um sich das Meer an zu schauen.
Die Jungs und ich gingen zum Baden in den indischen Ozean, wo zu der Zeit
einige höhere Wellen waren. So konnte ich einige der Jungs schon ein
bisschen besser kennen lernen, und es kam ein Glücksgefühl in mir auf. Ich
würde das ganze nächste Jahr hier in Kenia, am indischen Ozean mit vielen
tollen Menschen verbringen. Am Abend gab es dann zum ersten Mal richtiges
kenianisches Essen: Mandasi mit Bohnen.
Um Petras Gepäck wieder zu bekommen, für mich ein Visum im Migration
Office zu beantragen, und noch einige andere Dinge in der Innenstadt und
im Nakumatt zu besorgen, bestellten wir uns gleich wieder einen Bus, um am
nächsten Morgen nach Mombasa zu fahren.
3. Tag (Mo. 30.07)
Pünktlich um neun Uhr stand unser Bus dann auch vor der Tür. Wir fuhren
die wunderbare Strasse entlang um nach Mombasa zu kommen. Die Stadt war Heute
viel belebter als am gestrigen Sonntag, da es natürlich Geschäftstag war.
Wir fuhren zum Flughafen wo wir Petras Gepäck auch problemlos bekommen
konnten. Eine erste Erleichterung machte sich breit. Danach ging es in die
Innenstadt in ein recht großes, unsortiertes Einkaufszentrum um vor allem
Stoffe (Kikoys und Kangas) zu kaufen. Für mich war das Einkaufszentrum
sehr ungewohnt, es hatte überhaupt nicht diese Ordentlichkeit und
Sauberkeit die ich von Deutschland her gewohnt bin. Ich fand es aber toll,
wie die Kenianer alles einfach so locker angehen, Pole Pole eben. Zum
Essen gingen wir in ein Restaurant in der Nähe der großen Elefantenzähne,
dem Wahrzeichen von Mombasa. Als ordentlicher Tourist muss man hier
natürlich auch Fotos machen, was ich auch nicht verpassen wollte. Gleich
kamen auch die ersten Leute, die mir die beste Musik von Afrika,
wunderschöne Halsketten und des Weiteren verkaufen wollten. Um für mich
ein Einjahres Visum zum besorgen, sollte es nun zum Central Immigration
Office gehen. Irene und Suleiman begleiteten mich, ohne die ich auch
vollkommen aufgeschmissen gewesen wäre. Wir standen bei der einen
Meldestelle an, wurden zur nächsten geschickt und erst im dritten Büro
konnte uns dann geholfen werden. Die ganze Angelegenheit stellte sich als
komplizierter heraus als ich zuerst angenommen hatte. Die kenianische
Botschaft in Berlin hatte mir nämlich im voraus gesagt, dass ich für ein
Jahres Visum mich in Kenia vor Ort kümmern soll. In Mombasa wurde mir aber
gesagt, dass ich kein Visum brauche, sondern ein Permit. Dieses kann
anhand meines Volunteer-Vertrages, der natürlich erst von offizieller
Seite übersetzt werden muss, ausgestellt werden. Mit diesem Permit kann
ich dann ein Visum beantragen. In dem Büro wurde mir schon angst und
bange, denn es sah so aus als sei es unmöglich ein Visum zu bekommen. Der
Sachbearbeiter war aber sehr nett, und vor allem fand er meinen neuen
deutschen Reisepass so toll. Er zeigte mir mit einer UV-Lampe die ganzen
versteckten Wasserzeichen und war total begeistert. In einer Woche möchte
er uns bescheid geben, wenn er mit seinem Boss in Nairobi gesprochen hat.
Weiter ging es nun zur KSPCA (Kenian Society for Protection and Care of
Animals), wo ein neuer, richtiger Wachhund gefunden werden sollte. Ich war
erstaunt, wie sauber und ordentlich das ganze Tierheim war. Den Tieren
dort schien es wirklich richtig gut zu gehen.
Wir konnten und wollten uns aber noch nicht sofort für einen Hund
entscheiden, und fuhren somit ohne neues Haustier weiter zum Nakumatt.
Hier holte mich die westliche Welt wieder ein, der Laden sah aus wie ein
europäischer Supermarkt. Die Preise waren auch dem entsprechen hoch (auf
Touristen eingestellt). Nach einiger Zeit, die wir zum Shopping für das
Heim benötigten, ging es im Dunkeln über die Löcherstrasse zurück nach
Hause. Zum Glück hatten die Mamas noch einiges an Essen für uns
aufgehoben, so dass wir uns noch den Bauch füllen konnten. Völlig müde war
ich, als wir dann endlich im Haus ankamen. Trotzdem saßen wir noch einige
Zeit zusammen und redeten. Von Irene konnte ich schon einige Nützliche
Tipps für den Umgang mit Afrikanern bekommen. Voll von den vielen
Eindrücken des heutigen Tages, schlief ich sofort ein, bevor mein Kopf das
Kissen berührt hatte.
4. Tag (Di. 31.07)
Nach einem leckeren Frühstück mit kenianischer Mango-Marmelade und feinem
weißem Brot gingen wir dann zum Heim. Helmut und ich hatten uns
vorgenommen, die kaputte Waschmaschine zu reparieren. Vorher wunderten wir
uns aber darüber, dass einige Kinder noch zuhause waren; es war nämlich
eigentlich Schulzeit. Von den Mamas erfuhren wir dann, dass der
Kindergarten schon Ferien hatte.
Die Waschmaschine bereitete uns einige Probleme, wir dachten
zwischenzeitlich sogar, dass die Pumpe kaputt sei. Nach einigem
Stromtesten, Aufschrauben, Pumpe reinigen usw. kamen wir schließlich auf
das Problem. Erstens war ein Nagel in der Pumpe, der diese verklemmte und
zweitens hat ein Handwerker den Stromzulauf zur Pumpe getrennt und mit
Wackelkontakt wieder zusammengefügt. Letztendlich lief die Waschmaschine
also wieder.
Wir waren glücklich über die getane Arbeit, denn die ganze Wäsche des
Heims per Hand zu waschen, war für die Mamas und die Kinder auch kein
Vergnügen.
Nun gab es auch schon Mittagessen und danach gingen Petra, Janna, Helmut
und ich in den Ort, um einige Besorgungen zu erledigen. Wir kauften Farbe,
Abtropfkörbe (viel zu viel hat Petra für die bezahlt), Steckdosen u.Ä. Für
den Rückweg bestellten wir uns dann ein Tuk Tuk. Diese Fahrt war ein
wunderbares Erlebnis. Ich hoffe, dieses Verkehrsmittel noch oft nutzen zu
können. Den Nachmittag verbrachten Helmut und ich damit, alte Steckdosen
und Kabel zu ersetzen und zu reparieren. Janna beschäftigte sich mit den
Kindern, und begann diese schon ein wenig besser kennen zu lernen. Nach
meinem ersten Telefonat mit meinen Eltern, gab es schon wieder Abendbrot.
Auch ich hat während des Tages öfter mal die Chance, mich mit den Kindern
zu beschäftigen. Das macht wirklich großen Spaß.
Als wir nun am Abend zurück im Haus waren, hatte ich die Möglichkeit die
Ereignisse der ersten Tage aufzuschreiben. Bis jetzt war ich noch nicht
dazu gekommen.
Als erste kleine Reflektion über das bisher erlebte kann ich sagen, dass
ich mich riesig auf das kommende Jahr freue!!!
- 5.
Tag (Mi. 01.08)
Heute bin ich schon früher aufgestanden als die anderen Tage. Helmut und
ich hatten nämlich vor das Küchenhaus zu reparieren. Das Haus hat sich
nämlich mit der Zeit zu einer Seite geneigt. Es sieht jetzt schon recht
kritisch aus. Außerdem hat es in der Nacht voll einen recht heftigen
Windsturm gegeben. Ich habe davon überhaupt nichts mitbekommen, da ich so
fest geschlafen habe. Helmut, Petra und Irene sind aber wohl in der Nacht
um das Haus geschlafen um zu kontrollieren das nichts passiert ist, weil
es auf dem Dach so laut geknallt hat. Ich war wohl von den Eindrücken der
ersten Tage so erfüllt, dass ich sehr tief geschlafen und darum nichts
mitbekommen habe. Gestern Abend ist auch Lilly, die Schwester von Irene
aus Mombasa zurückgekommen. Nach dem Frühstück kam Steve, die einstweilig
Vertretung von Moses, der ja wegen seiner Verletzung an der rechten Hand
ausgefallen war, zu uns zum Haus. Er sollte anfangen auf der Terrasse die
hintere Wand weiß zu streichen. Damit fing er prompt an, wobei ihn
Farbflecken auf den Lampen, Türen und dem Boden nicht zu stören schienen
Am Heim angekommen, fingen Helmut und ich an das Küchenhaus wieder
aufzurichten.
Helmut hatte die Idee ein langes Seil zwischen dem Küchenhaus und dem
Haupthaus zu spannen. Dies funktionierte auch sehr gut und es gelang uns,
das Haus wieder in die gewünschte Position auf zurichten. Danach fixierten
wir unter dem Dach des Hauses die Verstrebungen mit zwei neuen Winkeln.
Außerdem wechselten wir einen der alten Pfeiler an der Vorderseite des
Küchenhauses aus und benutzten diesen alten Pfeiler als Stütze an der
Hinterseite. Als wir das Seil dann am Abend lösten, bewegte sich das
Küchenhaus keinen Millimeter wieder zurück. Es steht nun wieder schön fest
da und Moses meinte, dass er glaubt das Haus wäre nun wieder zwei Jahre
lang stabil. Es gab am heutigen Tag wieder zwei wunderbare Essen, wobei
die Kumbu (= kleine Fische) vor allem Helmut sehr gut schmeckten. Mit den
Kindern spielten Janna und ich am Abend Fußball, was auch großen Spaß
gemacht hat. Tiger drehte am Abend völlig ab und sprang alle nur noch an
und wollte spielen. Janna und Petra haben ihren Tag ansonsten damit
verbracht, Löcher in den Moskitonetzen zu flicken und Kleidungsstücke zu
reparieren. Vor allem Mary interessierte sich hierfür sehr stark.
Tina K., Santa, Zaituni, Pendo und Sunde haben heute ihre Teakwando ID
Cards erhalten. Sie werden am 9. August für vier Tage nach Nairobi zu
einem Turnier fahren. Darauf freuen sie sich alle riesig.
Heute merkte ich sehr deutlich, dass die Kinder anfingen Vertrauen in mich
und Janna zu fassen. Ich bin am Abend auch zu den Jungs herein gegangen um
ihnen gute Nacht zu wünschen. Manche Kinder sind recht ruhig und andere
dafür eher aufgedreht, aber alle sind sehr liebenswürdig. Sich mit ihnen
zu beschäftigen macht richtig Spaß.
Für Morgen habe ich schon ein Termin mit der Frau die den Kindern immer
die Frisuren macht, ich bekomme nun nämlich Haare im Kilimandscharo Style.
Mal schauen wie mir das dann steht. Also, heute Abend habe ich Zeit noch
ein wenig in der Swahili Lektüre zu lesen. Vielleicht kann ich so die
Sprache etwas besser lernen.
6. Tag (Do. 02.08)
Heute Morgen um 5:13h hörte ich die ersten Geräusche im Haus. Irene stand
auf und duschte!
Als ich dann zwei Stunden später aufstand, war sie natürlich schon längst
weg.
Helmut, Petra und Irene hatten einen Termin bei einem Grundstücksmakler um
11:00h. Bis dahin haben Helmut und ich den Rest vom Küchenhaus fixiert und
am Abwaschhaus ein Licht installiert. Die Kinder und Mamas haben nämlich
bis jetzt immer im Dunkeln abgewaschen. Wir Namen die Lampe aus dem
Office, da Irene nun eine Schreibtischlampe hat. Als Helmut, Petra, Janna
und Irene nun weggefahren waren, musste ich nur eine Viertelstunde
herumsitzen und konnte dann bei der Mama, die den Kindern immer die Haare
macht, meine Haare machen lassen. Ich hatte mir überlegt, dass ich mir
meine Haare im Kilimandscharo Style machen lassen wollte. Ich saß nun also
zwei Stunden im Sand und ließ mir meine Haare frisieren. Z.T. hat das ganz
schön geziept und außerdem war der Sitz im Sand nach einiger Zeit total
unbequem. Als die Kinder zum Essen kamen, fanden sie es alle sehr lustig,
wie meine Haare jetzt aussahen. Sie sagten zu mir Mama Valli.
Am Nachmittag hatten wir dann Besuch von einer französischen Familie. Sie
waren sehr interessiert an dem Heim und brachten uns Stifte und Hefte mit.
Die Kinder haben ihnen etwas vorgesungen und mit Moses und Irene zusammen
einige Reigentänze aufgeführt. Ich fand diese Situation etwas komisch, da
es mir vorkam als wenn die Besucher dachten, hier gäbe es gar nichts und
alles sei auf primitivstem Niveau. Am Abend kamen Sunde, Pendo, Tina K.,
Zaituni und Santa von ihrem Taekwondo Training zurück. Sunde ist dort
ziemlich blöd gefallen und hat sich dabei den linken Fuß und das linke
Knie verstaucht. Es sieht so aus, als wenn er nicht zum Wettkampf nach
Nairobi wird mitfahren können. Außerdem habe ich heute Abend den ersten
richtigen tropischen Regenschauer miterleben können. Alles wurde total
nass und es entstanden in kürzester Zeit große Pfützen, die aber bald
nachdem der Regen aufgehört hatte wieder verschwunden waren. Nach den
Essen konnten wir trockenen Fußes zum Haus zurückgelangen. Dort war es am
Abend auch trocken aber in der Nacht fing der Regen dann so richtig an.
- 7.
Tag (Fr. 03.08.)
Heute haben alle Kinder ihre Zeugnisse bekommen. Sie waren deshalb schon
sehr früh wieder aus der Schule da. Helmut und ich begannen das Zimmer der
Jungs umzuräumen, so dass diese dort mehr Platz zum spielen während der
Regenzeiten haben. Dafür musste das eine Bett um zehn Zentimeter gekürzt
werden. Das war eine recht komplizierte Aufgabe, da die Betten ja alle
Stockbetten sind. Trotzdem haben wir es irgendwann geschafft und nun ging
das große Herumgeschiebe los. Als wir damit fertig waren, war in dem
Zimmer so viel Platz, dass wir auf die Idee kamen, Leons kleines Bett auch
mit in das Jungenzimmer zu stellen. Das war leichter gesagt als getan,
denn es stellte sich heraus, dass wir Leons Bett nicht durch den Flur ins
Zimmer hinein bekommen würden. Wir mussten also die Stangen vom
Moskitonetz absägen um das Bett endlich in das Zimmer hinein zu bekommen.
Leon hat sich darüber sehr gefreut, da er nun endlich bei den Jungs
schlafen kann. Das Essen war wie immer Vorzüglich, heute gab es Reis mit
gegrilltem Hähnchen. Am Nachmittag waren Janna, Petra, Helmut, Irene, Leon
und ich unterwegs und haben uns verschiedene Grundstücke angeschaut. Es
war aber keins dabei, was Helmut und Petra wirklich zugesagt hätte. Irene
sagte zu mir, dass sich Helmut und Petra bald entscheiden müssten, da
sonst alle akzeptablen Grundtücke weg wären.
Eigentlich wäre heute mein Off-Day gewesen, aber es gab arbeit zu tun und
deswegen war ich trotzdem im Heim. Ich denke, dass sich das letztendlich
irgendwie ausgleichen wird. Am Abend war ich wie immer hier sehr müde,
aber trotzdem erfüllt.
8. Tag (Sa. 04.08)
Heute Morgen haben Janna und ich den Kindern unsere erste Deutschstunde
gegeben. Das hat wirklich Spaß gemacht, da die Kinder schon einiges
können. Wir haben geübt, wie man sich vorstellt, die Farben und Zahlen wiederholt
und ein neues Lied angefangen. Wir haben die erste Strophe von „Die Affen
rasen durch den Wald“ gelernt. Den Kindern ein neues Lied beizubringen ist
schwieriger als man denkt. Sie sprechen nämlich Wörter die sie noch nicht
kennen recht falsch aus und es ihnen richtig beizubringen ist gar nicht so
leicht. Nach der Deutschstunde, über die sich die Kinder sehr gefreut
haben, haben wir Besuch von zwei jungen Deutschen aus Nürnberg bekommen.
Das waren Freunde von Petra Scherz und sie haben Geschenke für die Kinder
mitgebracht. Außerdem hatten sie ein Geschenk für Tuma dabei, da sie ja
heute Geburtstag hat.
Nach dem Essen sind Janna und ich mit den meisten Kindern schwimmen
gegangen, was auch wieder sehr schön war. Mittlerweile kenne ich auch die
Namen der meisten Kinder, und si sind mir alle schon jetzt ans Herz
gewachsen. Es sind alle sehr liebe und überhaupt nicht freche Kinder. Ich
denke, das von dem Benehmen der Kinder hier die deutschen Kinder lernen
könnten. Als wir vom Schwimmen wieder kamen, hatten Petra und Irene sich
überlegt, einen neuen Jungen aufzunehmen. Zum Schlafen muss dieser
allerdings immer zu Mama Grace gehen, da im Haus kein Platz mehr ist. Der
Junge heißt Kennedy, ist 17 Jahre alt und auch ein Vollwaise. Er hat jetzt
schon neue Kleidung bekommen, worüber er sich riesig gefreut hat.
Nach dem Abendessen gab es für Tum und Mama Edith, die auch Geburtstag
hat, einen Kuchen und ein paar Geschenke. Die Zeremonie mit dem
Kuchenessen und dem Singen und Tanzen hat mir sehr gut gefallen.
Danach war noch Movie Time. Für die Kinder war das ganz schön spät, aber
der Film hat allen gut gefallen. Wir haben den Film „Zwei Brüder
geschaut“, ein sehr schöner Tierfilm über zwei Tiger. Fast keiner der
Kinder ist eingeschlafen, außer Leon.
Am Ende dieses Tages ist mir eingefallen, dass Janna und ich nun schon ein
Woche hier sind. Wir haben schon so viel gesehen und so viele Erlebnisse
verschiedenster Art gemacht, dass mir die Zeit schon viel länger vorkommt.
9. Tag (So. 05.08)
Heute Morgen waren bei uns im Haus Handwerker, um im Wohnzimmer eine
zusätzliche Trennwand einzuziehen. Es sollen dort zwei neue Gästezimmer
entstehen.
Helmut und Petra sind im Haus geblieben um auf die „Fundis“ aufzupassen.
Als Janna und ich ins Heim kamen, waren die Kinder und die Mamas gerade
auf dem Weg zur Kirche. Nur Mama Betty war da geblieben, da Irene am
Sonntag ja sowieso ihren freien Tag hat. Ich musste noch einige Tage im
Daily Report Book eintragen und das Tagebuch aktualisieren. Janna hat
unsere Wäsche gemacht, die wir über die Woche gesammelt haben. Nachdem ich
im Büro fertig war, habe ich Mama Betty beim Essen machen geholfen. Als
die Kinder aus der Kirche kamen, waren die zum ersten Mal ein wenig frech
und aufgedreht. Vor allem Pendo und Dalli haben mit allen gestritten und
waren laut.
Als wir nach dem Essen nach Hause gingen, war ich zum ersten Mal genervt
von den Kindern. Nachdem Janna und ich uns einige Zeit hinter dem Haus auf
den Liegen ausgeruht haben, war ich aber wieder beruhigt. Wir haben den
Kindern am Nachmittag wieder eine Deutschstunde gegeben und da hatte ich
das Gefühl, dass alle Kinder wieder nett waren.
Nach dem Essen war ich noch einige Zeit im Jungs- und dann im kleinen
Mädchenzimmer. Das war wieder total schön und nett. Wir haben uns noch einige
Zeit auf deutsch unterhalten. Alle Kinder scheinen von den Deutschstunden
begeistert zu sein und die Dinge die wir ihnen beibringen zu behalten.
Heute vor einer Woche sind wir angekommen und jetzt habe ich schon das
Gefühl, teil der Gemeinschaft zu sein.
- 10.
Tag (Montag, 6. 8.)
Valentin, Helmut und Irene sind heute nach Mombasa gefahren, um für
Valentin ein Visum für ein ganzes Jahr und um für Irene das Visum für ihre
bevorstehende Deutschland-Reise zu beantragen – leider Erfolglos.
Petra und ich haben mit einigen Kindern ihre Schränke aufgeräumt und
Sachen aussortiert. Wir mussten viele Sachen wegtun, da vieles inzwischen
sehr kaputt ist. Leider mussten auch einige Schulschuhe weg,
beispielsweise die von Brian, Loch an Loch – hält doch nicht.
Aus einer alten Matratze haben wir Kissenfüllungen hergestellt, Mama Edith
hat dafür schöne Kissenbezüge genäht.
Für Santa, Pendo, Tina K. und Zaituni war wieder Taekwondo-Training. Sunde
konnte heute immer noch nicht trainieren, er läuft schon wieder viel rum,
aber sein Knie ist noch dick und manchmal humpelt er.
Die Antilopen-Gruppe hatte heute eine Deutschstunde. Die Kinder sind sehr
lernbegierig, reden aber auch gerne dazwischen. Aber es macht viel Spaß
mit ihnen.
Jimmy hat seit einigen Tagen einen sehr dick angeschwollenen Finger, Irene
und ich waren mit ihm am Samstag im Krankenhaus. Das Krankenhaus hat auf
mich einen sehr guten und sauberen Eindruck gemacht, der Arzt war sehr
freundlich. Jimmy hat in seinem Finger ein Tier – wahrscheinlich eine
Insektenlarve („Dudu“). An Armen und Beinen hat er kleine bakterielle
Infektionen. Gegen das „Dudu“ musste er zwei Spritzen bekommen (eine
Samstag, eine Sonntag) und ein anderes Medikament. Für Jimmy war es sehr
schlimm, er hat um sich getreten und geschrieen und musste von mehreren
Personen festgehalten werden, damit die Schwester ihm die Spitze geben
konnte.
Heute Abend ist der Finger aufgeplatzt, es lief eine trübe Flüssigkeit
heraus. Petra hat ihm den Finger zur Nacht verbunden, damit die
Flüssigkeit nicht im Bett landet. Jimmy hat Vertrauen zu mir gefasst,
wahrscheinlich durch unsere Krankenhausaktion.
Es wurde heute eine Geschichte vorgelesen, Sterntaler – „Star Money“, die
Kinder wollten sie gleich noch mal hören. Überhaupt waren sie danach sehr
aufgedreht und es hat lange gedauert, bis alle im Bett waren. Außerdem
mussten einige Jungs ihre Betten noch beziehen.
11. Tag (Dienstag, 7.8.)
Vormittags habe ich mit den Kindern Briefe an die Paten geschrieben. Ich
hatte es eigentlich nicht geplant, ich habe angekündigt, dass ich zur Post
gehe, deshalb sollten die Kinder, die in den letzten Tagen Briefe
geschrieben hatten, mir ihre Briefe geben. Plötzlich fingen fast alle an,
Briefe zu schreiben. Ich musste immer die Adressen auf die Briefumschläge
schreiben, wir haben jetzt kaum noch Briefumschläge.
Anschließend bin ich mit Santa, Dally, Esther und Petra in zur Post und
Einkaufen gegangen. Die großen Kinder haben in den Ferien
„Einkaufsdienst“.
Wir haben für Esther, Kelvin und Jimmy einige neue Kleider und Unterhosen
für alle Mädchen gekauft. Die Unterwäsche der Kinder löst sich immer sehr
schnell in Luft auf, plötzlich hat keiner mehr Unterhosen. An allen
Marktständen möchten die Verkäufer einem so viele Dinge wie möglich
„andrehen“, aber fast noch schlimmer waren Santa und Dally, ihnen fiel
immer noch jemand ein der irgendetwas noch sehr dringend benötigt…
Kennedy brauchte noch lange Hosen - „for Church“ und kältere Tage. Deshalb
bin ich mit ihm am Nachmittag noch mal Einkaufen gegangen.
Am ersten Hosenstand waren wir uns mit der Hosengröße nicht sehr sicher,
deshalb wollten wir noch ein bisschen weiter gehen. Am Ende haben wir doch
zwei Hosen dort gekauft, aber erst nachdem wir den Preis gut
runtergehandelt haben.
Auf dem Heimweg habe ich noch Bananen gekauft - meine ersten Bananen in
Afrika (sehr lecker).
Wir waren zu lange unterwegs, deshalb ist die Deutschstunde für die
„Antilopen“ ausgefallen. Valentin konnte die „Löwen“ auch nicht
unterrichten, da fast alle seine Schüler nachmittags nicht im Heim waren.
Vormittags waren er und Irene mal wieder in Mombasa, um ihre Visa zu
bekommen.
Abends hat Valentin wieder eine Geschichte vorgelesen, sogar die Mamas
haben zugehört.
Danach sollten die kleinen Kinder ins Bett, jedoch gab es (mal wieder)
einige nicht bezogene Betten.
12. Tag (Mittwoch, 8.8.)
Heute haben wir gleich morgens die Deutschstunden gegeben, damit nicht
wieder etwas dazwischen kommt. Es macht wirklich Spaß mit den Kindern zu
lernen. In der Antilopen-Gruppe ist Tuma die beste Schülerin. Sie versteht
schnell und kann auch von sich aus Sätze neu kombinieren, so dass sie
einen neuen Sinn ergeben. Was den Unterricht etwas schwierig gestaltet,
ist die Tatsache, dass noch nicht alle Kinder lesen und schreiben können.
Die Kindergartenkinder lernen es gerade erst. Deshalb müssen wir mündlich
viel üben, damit sie es auswendig lernen können.
Der Tag verlief recht ruhig, wir hatten noch Besucher aus der Schweiz, die
sich sehr für Kinderhilfsprojekte interessiert haben.
Valentin hatte sein Diabolo und ich Jonglierbälle mit ins Heim genommen.
Die Kinder (und Moses) probierten natürlich alles aus. Einer meiner
Jonglierbälle ist leider relativ schnell kaputtgegangen, die Schnur des
Diabolo ist gegen Abend gerissen.
Nachmittags wollte Valentin noch bei der Navy Bier kaufen, dort war es
aber ausgegangen, so musste er welches in Kilifi besorgen.
Die Taekwondo-Gruppe hat ihre Sachen gepackt und fährt morgen mit Mama
Edith nach Voi. Abends wurde wieder eine Geschichte vorgelesen, danach
sind alle ins Bett gegangen. Brian musste alleine im Wohnzimmer schlafen,
weil er fast jede Nacht ins Bett macht und sich nicht darum kümmert, dass
seine Bettsachen gewaschen werden etc.
- 7.Tag
(13.08)
Für den heutigen Tag war geplant, dass Janna und ich mit Fadhili, Tuma und
Bahati deren Angehörigen besuchen. Das Dorf wo wir hinwollten, liegt vor
Mombasa und heißt Msumarini. Es liegt ca. zwei Kilometer von der großen
Strasse entfernt, mitten im Busch.
Der Anlass unseres Besuches war die Geburt eines kleinen Mädchens, dass
jetzt genau eine Woche alt war. Nach kenianischem Brauch wird ein
Neugeborenes nach einer Woche zum ersten Mal nach Draußen gebracht, wo es
der Sonne entgegenschauen kann. Dies ist dann auch die erste große
Feierlichkeit für das neue Kind.
Irene sagte uns, dass wir als Geschenk ein Hühnchen mitnehmen sollten. Wir
fuhren also im Heim ab, mit einem Tuk Tuk (dreirädrige Fahrzeuge von
Piaggio, fahren auch viel in Italien) zum Busbahnhof. Dort sollten wir
dann einen Kleinbus (Matatu) in Richtung Mombasa nehmen. Matatus sind
Japanische Kleinbusse (Nissan, Toyota,…) die mit 15 Sitzen ausgestattet
sind. Sie sind dementsprechend eng und auf den kenianischen Strassen wird
das recht eng, gerade bei der Länge meiner Beine. Wir saßen dann endlich
alle im Matatu, ich mit einem Karton auf dem Schoß, au dem ab und zu ein
krächzen zu hören war.
Als wir dann an der Abzweigung hielten, von der aus wir zu Fuß
weiterlaufen sollten, war ich recht froh, denn das Matatu ist zu eng für
mich.
Gleich an dem Abzweig waren einige Jungs, die Bahati und Tuma kannten und
die uns bis zum Dorf begleiteten. Wir gingen nun 45 Minuten durch den
Busch, auf kleinen Pfaden die immer mal von Ansammlungen kleiner
Lehmhütten gesäumt waren.
Endlich erreichten wir dann ein kleines Dorf, was sich als Zielort
herausstellte. Wir wurden sehr freundlich empfangen und für uns und alle
anderen Gäste die Heute gekommen waren, gab es schwarzen Tee und kleines
Fettgebäck.
Wir saßen auf selbst gezimmerten Hockern vor einer Lehmhütte, mitten in
einer afrikanischen Feierlichkeit. Für mich war hier noch mal alles ganz
anders als bei uns im Waisenhaus, weil hier wirklich das ursprüngliche
Afrika war. Mir wurde klar, in welcher Armut viele Menschen leben. Sie
haben gerade genug zum überleben, aber dafür müssen sie trotzdem täglich
kämpfen. Ich hatte aber nicht das Gefühl, dass sie die Menschen über ihr
Dasein beklagten. Sie machten auf mich einen fröhlichen Eindruck und waren
sehr gastfreundlich.
Ihre Gastfreundlichkeit war sogar ein wenig beschämend, da sie uns sehr
viel zu essen und zu trinken anboten. Nach diesem Empfang gingen Janna und
ich mit ein paar anderen Erwachsenen zum Strand, welcher direkt an das neu
gebaute Paradise Hotel angrenzt, auf welches 2002 der Bombenanschlag
verübt wurde.
Die Kinder spielten unterdessen mit ihren ehemaligen Freunden. Wir sagten
unseren Gastgebern, dass wir gerne so gegen 15h wieder gehen wollten, so
dass wir eine Matatu vor der abendlichen Rush-Hour erwischen könnten. Dass
war auch in Ordnung, aber als es dann so weit war, wurden wir zum
Mittagessen eingeladen, welches aus dem Hühnchen, dass wir mitgebracht
hatten, zubereitet worden war. Wir konnten nun schlecht nein sagen, und so
wurde unsere Abfahrt später als geplant. Nach dem Essen sollten wir noch
Fotos der ganzen Anwesenden machen, wodurch es noch später wurde. Als wir
dann schlussendlich an der großen Strasse waren, um ein Matatu anzuhalten,
war es schon 17h.
Natürlich waren alle Matatus entweder voll oder sie fuhren nicht nach
Kilifi. Als anfing dunkel zu werden, rief ich Helmut an und fragte ihn,
was wir am besten machen sollten.
Er schickt uns dann ein Taxi, mit dem wir nach Hause fahren konnten.
Das Taxi musste allerdings noch ein anderes Auto abschleppen, so dass wir
nur mit 20km/h fahren konnten. Wir erreichten Kilifi dann erst um 20h. Wir waren alle so müde,
dass wir nur noch schnell etwas gegessen haben und dann ziemlich bald ins
Bett gegangen sind.
Im Nachhinein fand ich es total spannend zu sehen, wie die Mehrheit der
kenianischen Bevölkerung wirklich lebt.
18. Tag (14.08)
Nach einer fest durchgeschlafenen Nacht, gingen wir wieder zur Arbeit ins
Heim. Dort erwartete mich eine weitere Überraschung: wir hatten am Tag
zuvor zwei kleine Hundewelpen bekommen. Die waren beide total süß, aber
auch voller Flöhe und anderer Viecher. Petra und ich waren den Vormittag
damit beschäftigt, die beiden zu waschen und zu schrubben. Sie hatten
danach zwar immer noch ein paar Flöhe, aber schon wesentlich weniger. Wir
werden sie in den nächsten Tagen noch mal Waschen müssen.
Nach dem Mittagessen und der anschließenden Pause, haben Janna und ich den
Kindern wieder eine Deutschstunde gegeben. Die Kinder waren hier schon
recht unruhig, was sich nach dem Unterricht noch weiter verstärkte.
Nach dem Abendbrot, hielt Mama Grace den Kindern einen langen Vortrag,
wonach die meisten Kinder auch direkt ins Bett gegangen sind.
- 24.
Tag (Montag, 20.8.)
Heute war mein Geburtstag. Es war natürlich ein nicht so fröhlicher Tag,
weil wir alle noch sehr erschüttert und sehr traurig über den Tod von
Petra und Helmuts Tochter sind.
Auch werden hier die Geburtstage anders gefeiert, als ich es von zu Hause
gewohnt bin.
Morgens sind die Mamas und Moses zu uns ins Haus gekommen, um einige Zeit
bei Petra und Helmut zu sein und ihnen Trost zu spenden.
Ich durfte mir ein Abendessen wünschen, fand es aber sehr schwer in dieser
Situation an Essen zu denken. Wir haben uns dann überlegt, dass es Fisch
mit Reis geben sollte.
Valentin, Moses und ich sind später gemeinsam mit George (Tuktuk) nach
Kilifi hereingefahren, um einige Einkäufe zu erledigen. U. a. wollten wir
für das Abendessen Fisch kaufen, es war nicht möglich, einen großen Fisch
zu bekommen, deshalb mussten wir mehrere kleinere nehmen.
Im Laufe des Tages bekamen einige Kinder mit, dass ich Geburtstag habe.
Sie fragten mich, wie alt ich bin, sie konnten es nicht glauben, dass ich
20 Jahre alt geworden bin (ich auch nicht…).
Nachmittags kamen Roberta und ihre Freunde und schenkten den Kindern
Armbanduhren. Leon bekam keine, dafür aber einen Lastwagen zum spielen und
ganz viel Sandspielzeug. Er musste aber etwas weinen, weil er auch eine
Uhr haben wollte.
Nachdem die „Italiener“ wieder gegangen waren haben wir gegessen. Das
Essen hat mal wieder sehr gut geschmeckt.
Anschließend haben die Kinder gesungen und jeder durfte/musste tanzen.
Nach einiger Zeit sind fast alle Kinder, die Mamas und Irene ins Haus
gegangen und sind singend mit einem Kuchen wieder herausgekommen. Ich
musste den Kuchen schneiden und ihn verteilen. Für jeden Teil dieser
„Zeremonie“ singen alle anderen Lieder, die dazu auffordern,
beispielsweise den Kuchen zu schneiden. Nach dem alle ein Stück Kuchen
bekommen hatten, habe ich noch ein Geschenk bekommen.
Anschließend durften noch alle tanzen. Insgesamt hatten wir sehr viel
Spaß.
Die Stimmung am Abend war genau komplementär zu der am Morgen.
25. Tag (Dienstag, 21.8.)
Heute war die Stimmung eher gedrückt, weil Petra und Helmut morgen wieder
nach Hause fliegen.
Valentin und Moses haben heute die Außentoilette fertig gestellt. Es ist
nun zur Benutzung freigegeben. Da die Toilette so sauber wie möglich
gehalten werden sollte, ist ein „im-Stehen-Pinkeln- Verbot“ ausgesprochen
worden. Um es anschaulicher zu machen und damit jeder daran denkt, hat
Valentin eine kleine Skizze gezeichnet. Für uns Deutsche nichts
besonderes, aber für die Kenianer sehr neu – beim Wasserlassen sitzen. Es
wurde deshalb viel über das Bild im Klo gelacht.
26. Tag (Mittwoch, 22.8.)
Um 4:30 Uhr sind Petra und Helmut mit Irene Richtung Flughafen
aufgebrochen. Ich bin extra aufgestanden, um mich noch einmal bei ihnen zu
verabschieden.
Am Vormittag kamen Handwerker, die die Duschen repariert haben. Die Kinder
können nun drinnen Duschen, ohne das Wasser in Eimern ins Haus zu tragen –
wenn wir Wasser haben.
Nachmittags wollten wir mit Roberta an den Strand gehen. Vormittags hat es
aber ständig geregnet, ich dachte schon, dass das Wetter nachmittags auch
so kühl und verregnet sein wird. Doch Petrus oder ein afrikanischer
Wettergott meinte es gut mit uns, denn nachmittags war es sonnig und warm.
Wir hatten sehr schöne Stunden mit den Kindern, Roberta, den anderen
Italienern, Mama Betty und Mama Edith.
U. a. sind wir Seil gesprungen, wir hatten natürlich kein Seil
mitgebracht, aber Tuma und Leon haben einer Pflanze, die am Strand wächst,
die Blätter abgemacht und der sehr lange Stängel eignete sich gut zum
Seilspringen. Moses war auch mit am Strand – zwischen den Kindern fällt er
gar nicht auf, eigentlich ist er das größte Kind bei uns.
Als wir das letzte Mal mit den Kindern zum Strand gegangen sind, musste
Leon nach Hause getragen werden. Diese Aufgabe übernahm selbstverständlich
Tuma, sie ließ Leon nicht von Valentin tragen. Dieses Mal hatten wir den
Fahrradanhänger dabei. Das hatte den Vorteil, dass Leon auf beiden
Strecken im Wagen sitzen konnte und einige Kinder „schmuggelten“ auch ihre
Schwimmflügel in den Wagen.
Vormittags wollte ich alle Schwimmflügel testen, weil die Kinder immer
irgendwelche nehmen und dann am Strand merken, dass sie kaputt sind.
Netterweise halfen mir einige Kinder, doch am Ende hatten wir immer noch
so manch kaputten Schwimmflügel dabei. Glücklicherweise hat uns Roberta
neue mitgebracht.
Auf dem Rückweg sind wir an dem Kiosk vorbei gegangen, an dem sich die
Kinder gerne Kaugummi kaufen. Es gibt dort „Mr. Berry“ für einen
Kenya-Shilling zu kaufen. Da ich Mary versprochen hatte ihr ein Kaugummi
zu kaufen, habe ich gleich etwas mehr Geld investiert und allen Kindern,
die mit mir gelaufen sind, und natürlich auch den Mamas ein Kaugummi
spendiert.
Die Kinder (ich auch!) waren am Abend ganz schön müde und sind dann auch
nach einem guten Abendessen ins Bett gegangen.
27. Tag (Donnerstag, 23.8.)
Heute ist im Kinderheim eigentlich nichts Besonderes gewesen. Außer, dass
wir vormittags einen sehrniedrigen Wasserdruck hatten, wenige Stunden
später gar kein Wasser mehr. Was aber beruhigend ist, ist die Tatsache,
dass das Wasser irgendwann immer wieder kommt und dass wir ja eine
Außentoilette haben. Damit diese auch abends benutzt werden kann, hat
Valentin eine Lampe installiert, der Schalter dafür befindet sich im
Küchenhaus.
Die Kinder nutzen die Toilette, d. h. sie sparen – wenn wir denn Wasser
haben – etliche Liter Wasser für die Klospülung.
Gegen Abend habe ich noch mit den Mädchen besprochen, was wir am Samstag
kochen könnten. Das Problem, was bei solchen Besprechungen immer besteht
ist, dass die Kinder (in diesem Fall die großen Mädchen) gerne nur in
Kisuaheli sprechen, und ich dann nichts verstehen und nichts sagen kann.
Am Ende hatten wir uns aber auf „Chicken and Rice“ und „Ugali and Kumbu“
geeinigt.
28. Tag (Freitag, 24.8.)
Vormittags habe ich mit einigen Kindern Briefe geschrieben. Die Kinder
schreiben eigentlich gerne Briefe, jedoch schmieren manche beim Schreiben
noch sehr herum und der Inhalt gleicht sich auch häufig sehr stark. Ich
habe eine Liste angefangen, damit ich mir einen Überblick verschaffen
kann, wer wem einen Brief geschrieben hat und ob es auch einen
Antwortbrief gibt.
Mittags haben wir Robertas Geburtstag gefeiert. Den ganzen Vormittag waren
die Mamas am Kochen, denn es gab Reis, Ugali und Chapati mit Fisch
(spendiert von Roberta) – sehr lecker.
Außerdem gab es Soda (Cola, Fanta und Sprite) für alle. Nach dem Essen gab
es den Geburtstagskuchen und wir haben alle für Roberta gesungen. Obwohl
dieser Geburtstag nicht der „Geburtstagstradition“ des Waisenheims
entsprach, hatten alle sehr viel Spaß und Roberta hat es, glaube ich, auch
sehr genossen bei uns zu sein.
Ich habe so viel zum Mittagessen gegessen, dass ich abends keinen Hunger
mehr hatte und nichts gegessen habe.
29. Tag (Samstag, 25. 8.)
Heute sind Mary, Tina Olli und Valentin nach Mombasa zum Flughafen
gefahren, um Martin abzuholen. Martin wird unser erster Gast in einem der
beiden neuen Gästezimmer sein.
Alle haben sich auf „crazy Martin“ gefreut, da alle wussten, dass es
einige sehr lustige Tage werden mit ihm.
Die Mädchen haben die Gerichte gekocht, die wir am Donnerstag beschlossen
hatten. Es hat alles sehr gut geschmeckt. Für das Abendessen mussten die
kleinen Fische (Kumbu) geputzt werden, d. h. die Köpfe müssen vom Körper
abgetrennt werden. Keine schwere Arbeit, aber die Menge an Fischen für
fast 30 Personen ist einfach sehr groß. Dabei haben aber auch einige Jungs
geholfen. Natürlich auch Leon, am Anfang hatte er nicht ganz verstanden,
was man machen muss, deshalb hat er einfach die ganzen Fische in die
Schüssel für die fertigen getan. Kurze Zeit später hatte er es aber
verstanden und half uns die Fische zu „enthaupten“. Insgesamt war der
Mädchen-Kochtag diese Woche schöner, als die Woche davor.
Den Tag über ging es mir nicht so gut, ich hatte Kopfschmerzen und taube
Arme, also die gleichen Anzeichen wie bei Valentins Malaria. Deshalb bin
ich nachmittags ins Krankenhaus und habe einen Malariatest machen lassen,
denn ich wollte sicher sein, dass ich keine habe. Kennedy und Sunday haben
mich netterweise zum Krankenhaus begleitet, da sie für Sonntag noch
einkaufen mussten. Sie wollten mich eigentlich auch wieder abholen, ich
fand es aber überflüssig, musste ihnen aber versprechen ein Tuktuk für den
Heimweg zu nehmen.
Im Krankenhaus ist ein Malariatest keine große Sache, für mich auch nicht,
da er negativ ausfiel, ich war also gesund. Als ich aus dem Krankenhaus
heraus kam fühlte ich mich gleich viel besser und bin zu Fuß zurück zum
Heim gegangen.
Als ich am Heim ankam machten mir Tina Olli und Queeni das Tor auf und
wollten weggehen. Ich habe mir gedacht, dass sie sich ein Kaugummi kaufen
wollten und habe ihnen 30 Shilling mitgegeben, damit sie für jeden eins
kaufen können. Die Kinder und auch die Mamas haben sich wieder sehr
darüber gefreut.
Abends ist auch noch mal Roberta vorbei gekommen, sie hat uns mitgeteilt,
dass sie am nächsten Tag mit ihren Freundinnen auf Safari fährt und Montag
wiederkommt. Sie wollte sich noch bei Irene telefonisch melden (sie war ja
noch in Nairobi), um mit ihr abzusprechen, wann wir einen Ausflug machen
könnten. Leider konnte niemand, weder wir noch Roberta Irene telefonisch
erreichen, da ihr Handy ausgeschaltet war. Wir wussten nicht genau wann
sie wieder kommt, rechneten damit, dass sie Sonntagabend wieder da sein
würde.
Am Abend ist noch Moses bei uns zu Besuch gewesen. Wir haben den ganzen
Abend viel Spaß gehabt und eigentlich die ganze Zeit gelacht.
30. Tag (Sonntag, 26. 8.)
Heute war das erste Frühstück mit Martin, unserem Gast. Wir hatten ein
schönes, leckeres Frühstück, es gab zwar kein Ei, aber eine Mango. Nach
diesem ausgiebigen Frühstück sind Martin und ich ins Heim gegangen,
Valentin ist noch ein bisschen im Haus geblieben.
Sunday, Fadhilli und Kennedy waren noch im Heim, weil sie auf uns gewartet
haben, denn es sollte immer jemand im Heim sein.
Die Milch war gerade gekommen, und ich wollte sie auf den Kocher stellen,
vorher musste ich aber einen anderen Topf herunter nehmen. Da die Töpfe
immer sehr heiß sind, wollte ich mir Handschuhe anziehen. Ich bin mit
einer Hand in den Handschuh und habe mit dem Zeigefinger gefühlt, dass da
irgendetwas im Handschuh war. In dem Moment stach mit das Etwas in den
Finger. Vor Schreck habe ich mir den Handschuh schnell von der Hand
gerissen, dabei fiel das Tier auf den Boden und kroch weg. Ich konnte es
nicht identifizieren, ich habe nur gesehen, dass es ca. 5 cm, schwarz und
dünn war. Mein Finger hatte zwei kleine rote „Einstichstellen“ und fühlte
sich an, als ob ich eine Brennnessel im Finger hätte. Nach einiger Zeit
hörte der Schmerz zum Glück auf. Ich habe aber keine Handschuhe mehr
angezogen.
In der Zwischenzeit hatten die Jungs sich fertig umgezogen (Kennedy musste
sich noch ein Hemd bügeln…) und verabschiedeten sich von mir. Auch Martin
sagte „bye, bye“ und verschwand mit den Jungs. Ich dachte er begleitet sie
ein Stück und kommt gleich zurück, aber nach 20 Minuten war er immer noch
nicht wieder da – er war mit in die Kirche gegangen.
Da die Kohle noch sehr heiß war, aber Valentin noch nicht da war habe ich
angefangen die Eier für das Mittagessen zu kochen. Da es immer relativ
lange dauert, bis das Wasser kocht, habe ich parallel auch noch unsere
Außentoilette sauber gemacht. Wir hatten den Mamas vergessen zu sagen,
dass die Toilette auch geputzt werden muss.
Die Waschmaschine konnten wir heute nicht benutzen, wir hatten zwar Wasser
und Strom, aber heute hatten wir einmal kein Waschpulver. Valentin und
Martin (er war wieder aus der Kirche zurück) versuchten in der Stadt neues
zu kaufen, bekamen aber keins, trotzdem waren sie lange weg. Es war
inzwischen schon recht spät und ich hatte gerade angefangen Brote für das
Mittagessen vorzubereiten (eigentlich die Aufgabe der Jungs), als die
ersten Kinder aus der Kirche zurückkehrten. Ich wurde als „good boy“
begrüßt und gefragt, ob ich Valentin wäre. Dann haben mir aber auch die
anderen Jungs geholfen und wir konnten bald essen.
Wir hatten gerade angefangen, als Martin und Valentin auch wieder
zurückkamen.
Zum Abendessen hat die Jungen-Kochgruppe Mandasi mit Bohnen gekocht, es
war sehr lecker.
Eigentlich haben wir Irene gegen Abend zurück erwartet, aber sie kam
nicht. Wir konnten sie aber immer noch nicht erreichen.
- 31.
Tag (27.08.)
Nach einem guten Frühstück sind wir wie üblich ins Heim gegangen um mit
unserem Arbeitstag anzufangen. Wir haben heute Vormittag wieder eine
Deutschstunde gemacht, die mir viel besser gefallen hat als die letzte. Die
Kinder waren wesentlich konzentrierter und ich hatte das Gefühl, das sie
deswegen auch irgendwie mehr wussten. Martin hat an der Deutschstunde auch
teilgenommen. Das war, wie alles mit Martin, sehr witzig. Nach der
Deutschstunde und dem Essen sind Moses, Winnie und ich mit den meisten der
Kinder zum Strand gegangen. Mittlerweile habe ich mir wirklich Sorgen um
Irene gemacht. Sie sollte nämlich eigentlich am gestrigen Abend wieder aus
Nairobi zurück sein. Sie war aber immer noch nicht da und ich konnte sie
nicht erreichen, da ihr Telefon ausgeschaltet war.
Trotzdem konnte ich den Strandnachmittag genießen, denn es war Flut und
wir hatten ein paar sehr schöne Wellen. Moses war auch gut dabei, er hat
mindestens genauso getobt wie die anderen Kinder. Trotzdem hat er immer
auch ein Auge darauf, dass es allen gut geht und das nichts passiert. Es
ist deswegen sehr angenehm mit ihm zum Strand zu gehen, da ich so nicht
auf alle Kinder immer alleine aufpassen muss.
Als wir so gegen fünf Uhr vom Strand zurückkamen, war Irene endlich auch
angekommen. Mir viel ein Stein vom Herzen, da ich mir ernsthaft Sorgen
gemacht habe.
Sie war zwar am Sonntagabend noch nach Mombasa gekommen, aber es war wohl
schon so spät, dass sie kein Matatu zum weiterfahren nehmen konnte. Die Kinder
waren natürlich auch glücklich darüber, dass „Antie“ endlich wieder da
war. Ich war auch froh über ihre Wiederankunft, da ich nun wieder ein
wenig mehr Hilfe im Büro und mit der Organisation habe. Die Mamas sind
nämlich keine besonders große Hilfe wenn es darum geht, etwas zu planen
oder zu überlegen. Sie kommen und fragen mich nach Dingen, die sie
eigentlich viel besser wissen müssten als ich. Zum Beispiel kam Mama Betty
am Freitag zu mir, als es um die Planung für das Hühnchenessen am
Samstagmittag ging. Sie fragte mich, wie viele Hühnchen wir wohl kaufen
sollten. Ich sagte ihr, dass ich das nicht weiß, aber dass sie das doch
eigentlich wissen müsste. Ich dachte mir, dass sie, da sie normalerweise
auch kocht, wohl eine Ahnung haben sollte, wie viel Hühnchen wir brauchen
damit alle davon satt werden. Es war aus ihr aber keine Antwort
herauszubekommen.
Das hat mich zum Nachdenken gebracht, und ich habe nun mit Irene noch
einmal über die verschiedene Dinge gesprochen, über die ich auch schon mit
Petra gesprochen hatte. Die Arbeit der Mamas ist nämlich nicht in allen
Punkten so wie sie sein sollte. Wir werden nun also am Mittwoch eine
Mitarbeiterversammlung abhalten.
Ansonsten war der Abend dann ruhig, und wir beschlossen nun mit Roberta
zusammen, dass wir Morgen mit allen nach Mombasa in den Wasserpark fahren
würden.
32. Tag (28.08)
Heute sollte es also so gegen 09:30h mit einem gemieteten Bus nach Mombasa
gehen.
Es war aber leider nicht möglich, einen Bus aufzutreiben, da Präsident
Kibaki im Moment im Distrikt Kilifi ist, und deshalb alle Busse ausgebucht
waren. Wir brauchten ja auch einen 35-Sitzer. Irene konnte dann auch
tatsächlich noch einen auftreiben, als der aber zum Heim kam, stellte sich
heraus, dass der Bus nur 25 Sitze hatte und in einem sehr schlechten
Zustand war. Alle Kinder dort herein zu quetschen wäre wirklich nicht gut
und vielleicht sogar gefährlich geworden.
Nach einigem überlegen haben wir uns dann entschlossen, mit den Kindern zu
den Makuti Villas zu fahren, ein Hotel direkt in Kilifi. Dort haben wir
dann einen Tag am wunderschönen Pool verbracht und zum Mittag Pizza mit
Pommes gegessen.
Es war ein super „Ferientag“ der auch den Kindern sehr viel Spaß gemacht
hat.
Am Abend gab es dann nur noch ein schnelles Spaghettiessen, denn die meisten
Kinder waren sehr müde.
33. Tag (29.08)
Gestern Abend hatten Irene und ich überlegt, wann wir diese Woche am
besten eine Mitarbeiterversammlung machen sollten. Es kam am Ende nur
Heute in Frage und so legten wir das Treffen auf zwei Uhr nachmittags fest.
Vorher haben Janna und ich wieder eine Deutschstunde gemacht, an denen
Moses und manchmal auch die Mamas, mittlerweile teilnehmen. Am Ende der
Stunde habe eine Art kleinen Test mit den Kindern gemacht. Ich habe den
auch im Anschluss gleich korrigiert und zurückgegeben. Am besten
Abgeschnitten haben Bahati, Tina K. und Santa.
Nach dem Mittagessen war dann also das Staff Meeting an der Reihe. Ich war
sehr froh darüber, dass wir das jetzt schon abgehalten haben, denn es gibt
einige Dinge die nicht unbedingt richtig ablaufen. Meine größte Sorge war
vor allem, dass einiges nicht so läuft wie sollte in den fünf Wochen in
denen Irene nicht da ist.
Ich hoffe, dass sich das jetzt geklärt hat, und wir in Irenes Abwesenheit
nicht allzu große Probleme haben werden. Jetzt sind Janna und ich mit
Moses und den Kindern an den Strand gegangen. Dort verbrachten wir mal
wieder einen wunderschönen Nachmittag, denn es ist gerade Vollmond und
deswegen steht das Wasser bei Flut sehr hoch und es gibt viele Wellen.
Als wir zurück zum Heim kamen war es schon recht spät, und alles musste
etwas schneller zugehen als gewöhnlich. Irene musste jetzt am Abend noch
weg, zu einem Essen im Kilifi Bay Hotel mit einigen reichen Italienern,
die sich für das Heim interessieren.
Wir haben also die Kinder noch ins Bett gebracht und sind dann zum Haus
zurückgegangen. Ich freue mich jetzt auf zwei Arbeitsfreie Tage, da wir
letzte Woche, wegen Irenes Abwesenheit, keinen freien Tag gemacht haben.
- 34.
Tag (30.08)
Den Vormittag haben Martin, Janna und ich in der Stadt verbracht. Martin
hat diverse Einkäufe gemacht, während Janna und ich die Zeit dazu genutzt
haben, endlich mal wieder von uns hören zu lassen, indem wir neue Berichte
abgeschickt haben und unsere Emails beantwortet haben. Als wir damit fertig
waren, war es auch schon früher Nachmittag.
Zum Mittag haben wir dann im Kilifi Arcade Cafe gegessen, hat recht gut
geschmeckt aber die Bedienung wollte uns etwas mehr Geld aus der Tasche
ziehen als wir laut Menü hätten bezahlen müssen. Am Abend haben wir dann
im Heim gegessen. Wir hatten eigentlich geplant, Morgen zu den Gedi Ruinen
und Watamu zu fahren, aber wir haben gemerkt, dass ein weiterer wirklicher
Pausetag auch nicht schaden würde. Wir entschieden uns also zu einem
weiteren Tag in Kilifi.
35. Tag (31.08)
Heute waren Janna, Martin und ich morgens erst unten am Meer, bei den
Klippen. Es war gerade Ebbe und so haben wir eine ausgiebige
„Wattwanderung“ gemacht, bei der wir viele Muscheln usw. gesammelt haben.
Außerdem haben wir tolle Fische gesehen, darunter auch einige „Nemo“
Fische. Wir sind dann an den Klippen entlang zu dem Public Beach gelaufen,
was wirklich ein schöner Spaziergang ist. Man sieht dort nämlich viele
schöne Stellen mit toller Vegetation. Mittags haben wir bei uns oben im
Haus gegessen, und am Nachmittag sind wir noch mal zu den Klippen
gegangen, von wo aus Martin und ich dann auch baden waren.
Am Abend haben wir im Heim gegessen. Seit einigen Tagen hatte ich nun
schon ein leichtes Drücken im linken Ohr. Das hat sich heute Abend verstärkt
und ich hatte über Nacht wirklich schmerzen.
36. Tag (01.09)
Der Vormittag im Heim lief wie gewohnt ab. Das Haus wurde gesäubert und
das Mittagessen wurde von der einen Mädchenkochgruppe vorbereitet. Nachdem
alles fertig war, haben sich alle Kinder und Mitarbeiter im Wohnzimmer
versammelt.
Wir haben dort zusammen gebetet, da Heute ja die Beerdigung und die
Trauerfeier von Nikki ist. Nach den gemeinsamen gebeten hat jeder der im
Zimmer anwesenden ein kurzes Gebet gesprochen. Wir hatten so noch einmal
die Möglichkeit, mit den Kindern an Petra und Helmut zu denken und ihnen
unsere guten Wünsche zu senden.
Nach dem Mittagessen tat mein Ohr so weh, dass ich nach Hause gehen
musste. Ich konnte auf dem linken Ohr nun nicht mehr allzu viel hören. Mir
war das langsam echt schon ein wenig peinlich, da ich das Gefühl habe,
jede Woche krank zu sein. Zuhause habe ich geschlafen und mich ausgeruht.
Am Abend hat mir Janna das Essen gebracht und ich bin sehr früh ins Bett
gegangen. Janna hatte gleichzeitig eine Hautirritation an der Nase, die
wohl recht schmerzvoll war.
37. Tag (02.09)
Heute Morgen sind Janna und ich zuerst in Krankenhaus gegangen, da mein
Ohr noch überhaupt nicht besser war und ihre Nase auch noch wund war. Mir
wurden meine Ohren gewaschen und ich bekam Ohrentropfen verschrieben. Den
Tag über ging es meinem Ohr nach der Behandlung auch schon wesentlich
besser.
Die großen Jungs sagten mir noch bevor sie in die Kirche gingen, dass sie
noch Kohle kaufen müssten. Das war genau einer der Punkte, über die wir
während der Mitarbeiterversammlung gesprochen haben. Die Mamas sollen
dafür sorgen, dass immer genug Kohle da ist, und wenn nicht, Irene oder
mir Bescheid sagen. Es ist nämlich sonst immer so, dass uns erst Bescheid
gesagt wird, wenn die Kohle gebraucht wird und keine mehr da ist.
Nach dem Mittagessen bin ich wieder nach Hause gegangen, da mein Ohr wegen
des Windes wieder stärker schmerzte. Ich bin aber abends nicht sehr spät
wieder zurückgegangen, weil ich nicht immer fehlen wollte. Roberta hatte
für den frühen Abend eine Schnitzeljagd organisiert. Die Kinder mussten
Fragen beantworten die sie immer weiter in die Nähe eines Schatzes
führten. Letztendlich fanden sie diesen in der Waschmaschine. Jedes Kind
bekam ein Geschenk, nur Leon bekam zwei. Ich denke. Dass wir aufpassen
müssen, dass Leon nicht zu sehr verwöhnt wird. Von allen Besuchern wird er
immer gehätschelt und bekommt immer eine besondere Behandlung. Gerade die
Italiener beschäftigen sich viel nur mit ihm.
Er ist der Kleinste und das ist auch in Ordnung, trotzdem ist er aber
nicht besser als die anderen und er sollte nicht lernen, dass er immer
alles bekommen kann.
Das Abendbrot war von den Jungs zubereitet, es gab Mahambri mit Erbsen.
Das hat sehr gut geschmeckt und die Jungs haben ein dickes lob bekommen.
Als die Kinder gebetet haben, bin ich kurz ins Haus gegangen, um dort alle
Lampen angeschaltet vorzufinden. Nach dem Beten habe ich den Kindern also
noch einmal erzählt, dass der Strom Geld kostet und sie gefragt, ob wir im
Haus Licht brauchen wenn alle draußen sind.
Als wir am Abend nach Hause kamen, war es schon halb neun. Janna hat noch
gelesen und Martin und ich haben zusammen auf der Terrasse gesessen und
uns unterhalten
- 38.
Tag (Montag, 3. 9.)
Heute war der erste Schultag nach den Ferien für die Kinder. Sie haben
sich alle gefreut wieder zur Schule zu gehen, denn auch wenn die Schule
sehr lang und anstrengend ist, bereitet ihnen das Lernen sehr viel Freude.
Vormittags müssen Valentin und ich jetzt erst gegen 10,30 Uhr ins Heim, da
die Kinder, außer Leon, nicht da sind. Vormittags können wir jetzt Dinge
im Haus beispielsweise reparieren, ohne, dass ständig Kinder „durch die
Baustelle“ laufen oder Werkzeuge sich ausleihen und vergessen
wiederzubringen. Aber das Heim wirkt immer leicht verlassen, wenn keine
Kinder da sind.
Zum Mittagessen sind alle Kinder nach Hause gekommen, nur die großen
mussten zurück zur Schule. In der Mittagspause habe ich die letzten
Monatsbericht-Texte geschrieben, damit Valentin die abschicken konnte.
Nachmittags habe ich mit einigen Kindern Bilder gemalt. Ich habe nur
Buntstifte und Papier verteilt, von vielen kam gleich die Frage nach
Kugelschreibern und Radiergummis. Mit der Zeit haben sich immer mehr
Kinder mit zum Malen hingesetzt. Mir ist aufgefallen, dass viele Kinder
gar nicht wissen, was sie malen oder zeichnen könnten. Ich habe auch ein
Bild gemalt, dass hat Willy denn gleich kopiert, als er damit fertig war,
hat er doch noch etwas eigenes in das Bild gebracht, sodass es denn keine
Kopie mehr war.
Am späten Nachmittag ist Baraka, ein kleiner Junge, zu uns ins Heim
gezogen. Er ist etwa so groß wie Leon, spricht aber kein Kisuaheli oder
Englisch, nur Giriama. Aus diesem Grund können Leon und er nicht
miteinander sprechen, trotzdem hat Leon Baraka gleich an die Hand genommen
und ihm seine Spielsachen gezeigt.
Shuku ist die „große Schwester“ von Baraka, da sie aber schon Schwester
von Tina K. und Tina Olli ist, sollen beide Tinas ihr ein wenig helfen.
Die Mädchen haben nach dem Abendessen Baraka noch sehr gründlich gewaschen
und ihm frische Kleider angezogen.
Ich denke, dass Baraka sehr schnell Kisuaheli und bestimmt auch Englisch
lernen wird, da er noch recht klein ist.
39. Tag (Dienstag, 4. 9.)
Als wir heute Vormittag ins Heim gegangen sind, haben Leon und Baraka sehr
schön mit einander gespielt. Sie verstehen sich richtig gut und ich denke,
dass es für Leon sehr wichtig ist, einen gleichaltrigen Spielkameraden zu
haben. Außerdem ist er jetzt vormittags nicht mehr allein mit den Mamas.
Ich hatte Mary versprochen, ihre Matratze kleiner zu machen, denn sie ist
neu und etwas zu lang fürs Bett gewesen. Ich war gerade dabei, den Bezug
wieder zu zunähen, als die Nachricht kam, dass nachmittags die
NGO-Kontrolle durchgeführt wird. Wir wussten, dass sie zwischen dem 3. und
8. September durchgeführt werden sollte, aber es brach dann doch eine
kleine Panik aus, ob alles in Ordnung ist. Der Kontrolleur, es war nur
einer, hatte eigentlich nichts zu bemängeln, nicht mal an unserer
Außenküche hatte er etwas auszusetzen.
Valentin und Moses haben die Öfen von Petra und Helmuts Haus und vom Heim
umgetauscht, weil der Ofen im Heim nicht mehr funktionierte. Wir haben
jetzt wieder einen Ofen zum Kuchenbacken!
Am Abend haben Roberta und ihre Freunde für uns ein italienisches Dinner
zubereitet, weil am nächsten Tag drei der Freunde abreisen mussten. Leider
kamen sie erst sehr spät, und es mussten dann noch Nudeln gekocht werden.
Also haben wir später gegessen als je zuvor und nach dem Essen gab es noch
Geschenke für die Kinder (Rucksäcke) und zwei Fahrräder.
Am Abend kamen auch noch Handwerker, die drei Betten aufgestockt haben.
Wir haben jetzt im Jungenzimmer zwei dreistöckige Betten und im Zimmer der
großen Mädchen ebenfalls eins.
Das erstaunliche an diesen Betten war, dass sie vor vier Wochen bestellt
und bezahlt worden sind. Irene musste den Tischler aber erst zur Polizei
schleppen, bis er mal mit der Arbeit angefangen hat. Aber jetzt sind sie
da und wir müssen jetzt nur noch Matratzen kaufen.
40. Tag (Mittwoch, 5. 9.)
Heute hatte Fridah Geburtstag. Wir wollten den Geburtstag vor dem
Abendessen feiern, da die Kinder die letzten Tage immer erst sehr spät ins
Bett gegangen sind. Zum Essen waren auch die Mitglieder der
Prüfungskommission der NGO eingeladen. Sie sollten auch mitbekommen, wie
hier die Geburtstage der Kinder gefeiert werden. Irene hat ihnen auch noch
mal das Haus gezeigt (am Tag vorher war nur ein Prüfer da).
Roberta kam auch noch dazu, und brachte noch einige Sachen mit, darunter
ein Geburtstagsgeschenk für Fridah und einige Faschingskostüme, die auch
einige Kinder gleich anziehen durften. Ich glaube, für Fridah war es ein
wenig enttäuschend, dass die Kostüme gleich ausprobiert wurden, denn wir
wollten gerade den Kuchen raus getragen, aber dann war sie fast vergessen,
weil alle die Kostüme angeschaut haben. Einige Zeit später haben wir es
aber doch geschafft ihren Geburtstag zu zelebrieren.
Eigentlich laufen alle Geburtstage gleich ab, aber trotzdem macht es immer
wieder viel Spaß, da immer andere Sachen passieren, der Kuchen immer
anders aussieht und immer anders geschnitten wird.
Danach haben wir gegessen, es gab Hühnchen mit Reis – mal wieder super
lecker...
Die NGO-Prüfer waren sehr angetan von den Kindern und vom Heim und haben
nach dem Beten der Kinder noch jeder einige Worte an uns gerichtet.
Insgesamt haben sie sich sehr über die Einladung gefreut und waren sehr
lange da.
41. Tag (Donnerstag, 6. 9.)
Die Vormittage im Heim sind immer noch etwas ungewohnt. Sie sind nicht so
wie sonntags, wenn alle Kinder und die Staff in der Kirche sind und man
das Mittagessen vorbereiten kann. Alle Mitarbeiter sind am arbeiten, nur
die Kinder fehlen. Aber die Kindergarten-Kinder kommen relativ früh nach
Hause und beleben das Heim. Zum Mittagessen kommen dann alle Kinder.
Heute hat Roberta die Matratzen für die neuen Betten gekauft. Die Jungs
mussten die Betten neu verteilen, jeder hat jetzt ein eigenes Bett und ich
glaube alle sind jetzt richtig zufrieden. Ich hoffe, dass sie alle gut
schlafen können.
Mit Brian hatten wir heute leider etwas Probleme. Er erzählt öfter mal die
Unwahrheit, ärgert andere und macht nicht das, was man ihm sagt. Da er
häufig ins Bett macht, muss er vor dem Essen sein Bett machen. Er vergisst
es eigentlich immer, auch wenn man ihn daran erinnert. In den letzten
Tagen waren mehrmals nicht gewaschene Kleidungsstücke auf der Wäscheleine.
Fragt man ihn warum, sagt er, dass irgendjemand seine Sachen von der
Waschmaschine (vor dem Waschen) zur Leine bringt. Ich hoffe, dass diese
„Geschichtenerzähl-Phase“ bald vorbei geht. Eigentlich ist er nämlich ein
sehr cleverer Junge, der es nicht nötig hätte sich solche Geschichten
auszudenken.
Leon und Baraka verstehen sich nach wie vor sehr gut, und Baraka redet
relativ viel – ich verstehe natürlich gar nichts, aber seine Stimme ist
sehr lustig.
42. Tag (Freitag, 7. 9.)
Eigentlich hatten Valentin und ich unseren freien Tag, wir wollten in
Kilifi einige Dinge einkaufen gehen. Noch zu Hause bekamen wir von Petra
eine SMS, dass wir mal unsere E-Mails lesen sollten. Da gestern das
Internet im Heim kurz funktioniert hat, wollten wir ausprobieren, ob es
heute funktioniert, es geht da viel schneller, als im Internet-Café in
Kilifi.
Wir haben also einen kurzen Abstecher ins Heim gemacht. Wir kamen gerade
zur richtigen Zeit, um dabei zu sein, wie Maria ihr kleines Ziegenbaby zur
Welt brachte. Das Zicklein ist wohl auf und es konnte schon nach kurzer
Zeit stehen.
Den restlichen Tag haben wir „frei“ gemacht.
43. Tag (Samstag, 8. 9.)
Da Martin heute Geburtstag hatte, haben wir den Tag mit einem netten
ausgiebigen Geburtstags-Frühstück begonnen.
- 43.
Tag (Samstag, 8. 9.)
Da Martin heute Geburtstag hatte, haben wir den Tag mit einem netten
Geburtstags-Frühstück begonnen.
Eigentlich wollten wir mit den Kindern heute eine Deutschstunde machen,
aber es sollten Besucher kommen, deshalb war es nicht möglich. Uns hatte
leider keiner vorher gesagt, dass Mitarbeiter des Roten Kreuzes kommen
würden, deshalb haben wir gestaunt, als hier ca. 20 Menschen auftauchten,
und begannen, verschiedene Sachen aufzubauen, zu kochen und mit den
Kindern zu sprechen (mit Megafon) und Spiele zu machen.
Die Kinder hatten sehr viel Spaß und haben auch einen kleinen Erste
Hilfe-Kurs gemacht. Geübt wurde die Situation, dass ein Kind (Kennedy) vom
Baum gefallen war und eine Wunde am Bein hatte. Die Mitarbeiter des Roten
Kreuzes hatten Kennedy mit Kunstblut eine richtig schlimme Wunde
gezaubert. Tuma bekam so große Angst um Kennedy, da sie dachte die Wunde
währe echt, dass sie anfing zu schreien und zu weinen.
Am Ende des Besuches gab es vom Roten Kreuz ein gekochtes Essen und für
die Kinder Soda.
Für das Abendessen hatte Martin Fisch gekauft, dazu gab es Reis. Danach
haben wir seinen Geburtstag zelebriert. Wir hatten alle sehr viel Spaß.
44. Tag (Sonntag, 9. 9.)
Ich bin heute Morgen alleine ins Heim gegangen, etwas früher als sonst,
denn wir haben Besucher erwartet. Als ich angekommen bin, waren die Kinder
noch gar nicht für die Kirche angezogen, auch die kleineren Kinder waren
noch nicht in der Kirche zur Sonntagsschule. Auf meine Frage, ob alle denn
fertig wären, bekam ich ein „yes“ zu hören. Ich habe mich etwas gewundert.
Aber es machte auch keiner Anstalten in die Kirche zu gehen, also fragte
ich noch mal, ob heute denn keine Kirche sei, Mama Edith antwortete mir,
dass heute Kirche sei. Aber sie hat mir nicht gesagt, dass alle auf die
Besucher warten. Das bekam ich erst nach weiteren „nachbohren“ heraus. Als
dann die Besucher ankamen, sollten sie erst noch frühstücken, bevor sie
mit den Kindern und den Mamas in die Kirche gingen. Langsam fingen dann
auch die Kinder an, sic für die Kirche umzuziehen. Plötzlich waren alle,
wie jeden Sonntag, sehr schön angezogen und alle konnten in die Kirche
gehen.
Als ich gerade dachte, dass ich jetzt in Ruhe die Eier für das Mittagessen
kochen könnte, kamen noch mal Besucher, diesmal aus Nairobi. Sie wollten
die Kinder sehen, denn sie waren schon einmal vor ca. zwei Jahren hier.
Leider waren jetzt alle Kinder in der Kirche – schade.
Eigentlich kommen jeden Sonntagvormittag Besucher, wenn die Kinder nicht
da sind, vielleicht sollten wir mal ein Schild an das Tor hängen, auf dem
die Besuchszeiten vermerkt sind...
(Janna)
Valentins Berichte:
45. Tag (10.09.)
Ab heute bin ich nun wieder dran zu schreiben. Am Morgen war das
Kinderheim, wie immer in der Schulzeit, sehr still und ruhig. Ich habe
erstmal ein wenig Büroarbeit gemacht und dann habe ich die Holzumrandung
um den Gully neben dem Küchenhaus wieder repariert. Der eine Pfosten war
nämlich mittlerweile ganz vergammelt, und von dem anderen Pfosten war
nicht mehr allzu viel übrig. Im Laufe des Vormittags kamen auch Besucher
aus Mombasa, von einer Friseurinnenschule. Die haben einige Lebensmittel
mitgebracht und dann das ganze Haus für uns geputzt und gereinigt. Als die
Kinder so nach und nach alle aus der Schule wiederkamen, sind wir mit den
Besuchern und den kleinen Kindern zusammen zu den Klippen nahe der Chambai
gegangen. Die Jungs, vor allem Brian und Willy, haben mit großem Eifer
Krebse gejagt. Tatsächlich haben sie auch einen erlegen können, aber der
hätte nicht für eine Person zum Abendessen gereicht. Als die Kinder alle
geduscht waren und am Abendbrottisch saßen, sind Martin, Moses, Janna und
ich zum Kilifi Members Club gegangen. Martin hat uns nämlich dort noch einmal
zum Essen eingeladen. Der Members Club ist sehr schön am Eingang vom Creek
gelegen und ist sehr gut ausgestattet. Preislich ist er noch etwas
günstiger zum Essen als die Chambai, aber hundert Mal schöner mit viel
besserem Service. Das ist ab jetzt mein Lieblingslokal.
46. Tag (11.09.)
Heute brach nun Martins letzter Tag an. Am Vormittag habe ich erstmal das
Hochbett von den Mamas repariert. Die Mamas hatten sich nämlich beschwert,
dass das obere Bett immerzu absackt. Also habe ich mir das Ganze erst einmal
angeschaut und gesehen, das die Leisten die den Lattenrost halten, viel zu
schmal sind. Ich habe dickere Leisten auf die alten gesetzt und das Bett
kann nun wieder einiges aushalten. Am Nachmittag sind Martin, Janna und
ich noch mal nach Kilifi rein gefahren. Martin hat Hühnerfutter bezahlt
und Janna hat neue Champali für Baraka gekauft. Als wir zurück im Heim
waren, stellte sich aber heraus, dass die Champali (=Latschen) für Baraka
zu klein waren. Janna ist mit Baraka zurück in die Stadt gegangen, um die
Schuhe umzutauschen. Es war das erste Mal für Baraka, dass er in Kilifi in
der Stadt war. Am Abend gab es zum zweiten Mal Ugali (= Maisbrei, der in
Kenia sehr viel gegessen wird) an diesem Tag, Irene war ja aus Mombasa
noch nicht wieder da. Ich habe mit den Mamas reden müssen, denn eigentlich
hatten wir gerade auf der Mitarbeiterversammlung besprochen, dass es nicht
zweimal am Tag Ugali zum Essen geben soll.
Nach dem Abendessen haben die Kinder für Martin zum Abschied noch einige
Lieder gesungen und sich dann einzeln von ihm verabschiedet.
47. Tag (12.09.)
Suleyman ist um sechs Uhr morgens gekommen, um Martin abzuholen. Janna ist
mitgefahren, um auf dem Rückweg noch einige Besorgungen im Nakumatt zu
machen. Ich war dann am Vormittag alleine, und bin mit Moses in die Stadt
gegangen. Wir haben ein paar Bündel neues Holz gekauft, um den Zaun, der
um den Kochbereich im Küchenhaus herum ist, zu reparieren. Dort waren so
viele und so große Löcher, dass Maria immer ihren Kopf hereingesteckt hat
und von dem fertigen Essen gestohlen hat. Am Nachmittag war Janna damit
beschäftigt, sich um die Wäsche zu kümmern, während ich im Büro gearbeitet
habe.
Nach dem Abendessen war es mal wieder so, dass einige Kinder noch nicht
ihre Wäsche von der Leine hereingeholt hatten. Das kommt fast jeden Abend
vor. Ich habe alle Kinder im Küchenhaus versammelt und ihnen gesagt, dass
es so nicht weitergehen kann. Es gibt nun eine neue Regel: wenn ein Kind
nach dem Abendessen noch nicht nach seiner Wäsche geschaut hat, bekommen
alle eine Bestrafung. Es tat mir echt leid, so mit den Kindern zu reden,
aber wir haben es auf allen anderen Wegen versucht. Es macht auch einfach
keinen Spaß, jeden Abend die Kinder an ihre Wäsche zu erinnern. Die
Kleineren könne natürlich noch nicht so wirklich daran denken, aber da
habe ich die großen Geschwister ermahnt, besser darauf acht zu geben.
Janna und ich hatten am Montag auch noch etwas anderes eingeführt, nämlich
ein Liste an jedem der Kinderzimmer. Wenn das Licht in einem der Zimmer an
ist, bekommt das jeweilige Zimmer auf seiner Liste einen Strich. Welches
Zimmer nach einer Woche die meisten Striche hat, bekommt eine Bestrafung.
Man kann diese Dinge den Kindern nämlich noch so häufig auf nette Weise
sagen, es wird nicht darauf geachtet. Seitdem wir diese Liste eingeführt
haben, waren die Lichter immer aus. Nach der Besprechung im Küchenhaus
habe ich den Kindern die wollten, im Wohnzimmer noch etwas vorgelesen.
48. Tag (13.09)
Alles nimmt seinen gewohnten Lauf bei uns im Heim. Während der Vormittage sind
nur Leon und Baraka hier. Die beiden verstehen sich aber mittlerweile sehr
gut und spielen sehr selbstständig. Die Mamas haben natürlich gekocht und
so weit nichts anderes zu tun ist, helfen Janna und ich ihnen. Janna hatte
aber heute mal wieder sehr viel mit der Wäsche zu tun. Sie ist damit
manchmal den ganzen Vormittag beschäftigt.
Nach der Schule, wenn die kleineren Kinder alle das sind, üben die Mädchen
im Moment Fahrradfahren auf den Fahrrädern die sie von den Italienern
geschenkt bekommen haben.
Die Jungs helfen den Mädchen Fahrradfahren zu lernen. Vor allem Willi und
Brian sind da sehr beflissen.
Am Abend gab es dementsprechend bei einigen Mädchen kleinere Kratzer an
den Beinen. Tuma, Esther und Tina Olli sind beim üben am öftesten
hingefallen. Janna und ich haben also einiges an Pflastern verteilen
müssen. Außerdem hatte Baraka ein kleine Schürfstelle von seinen neuen
Schuhen an seinem linken Fuß. Wir wollten ihm ein bisschen Antiseptikum
und ein Pflaster auf die Stelle machen. Sobald Baraka aber im Office war
und gesehen hat, dass wir etwas auf seine Wunde tröpfeln wollten, hat er
angefangen zu schrein als wollten wir ihn abstechen. Er hatte eine riesige
Angst vor der Behandlung. Mama Grace und Mama Betty mussten ihn
festhalten, während Janna und ich seinen Fuß verarztet haben. Baraka hat währenddessen
unaufhörlich geschrieen, so dass alle anderen Kinder um das Büro
herumstanden und zugeschaut haben. Nach der ganzen Prozedur war Baraka vom
Heulen so erschöpft, dass ihn die Mamas nur noch ins Bett getragen haben,
wo er sofort eingeschlafen ist. Irgendwie haben fast alle Kenianer
tierische Angst vor jedweder Medizin.
49. Tag (14.09)
Heute war mal wieder unser freier Tag, und wir hatten uns vorgenommen zum
Haller Park zu fahren. Wir sind also schon um sechs Uhr aufgestanden und
waren tatsächlich um 8:30 am Eingang vom Park. Die Straße von Kilifi nach
Mombasa wurde vor ca. einer Woche repariert, da ja Kibaki im Kilifi
District unterwegs war.
Janna und ich haben einen sehr schönen Tag im Park verbracht und sind
danach noch zum Nakumatt gegangen. Der Rückweg verlief auch glatt und zum
Abendessen haben wir uns noch etwas zu Hause gekocht. Ich hatte nämlich
vor ein paar Tagen zwei kleine Jikos (= Holzkohlegrill, der in Kenia
überall zum Kochen benutzt wird) für unser Haus gekauft.
50. Tag (15.09.)
Heute war mal wieder die Mama da, die unseren Mädchen immer die Haare
flechtet. Die meisten der Mädchen haben also im Laufe des Tages ihre Haare
neu gemacht bekommen. Für ein Deutschstunde, die ja eigentlich auf Samstags
festgelegt war, war mal wieder keine Zeit. Die Mädchen, die nicht gerade
mit ihren Haaren beschäftigt waren, mussten Kochen und nach dem Essen sind
die Taekwondo-Kinder wieder zum Training gegangen. Außerdem hatten einige
der großen Mädchen heute Schule. Nach dem Mittagessen ist Sören gekommen.
Er ist Amerikaner und Volontär beim US-Peacecorps. Er ist seit zweieinhalb
Jahren in Kilifi und kommt wohl seit ca. einem halben Jahr ins Heim. Er
macht mit den Kindern eine Art Malstunde. Er bringt ihnen Zeichnen bei und
macht das auch ganz gut, da er selber Hobbymaler ist. Einige der Kinder
hatten also eine Zeichenstunde, während die anderen mit ihren Haaren oder
der Küche beschäftigt waren.
Nachdem Sören wieder weg war, haben einige Kinder Briefe an ihre Paten
geschrieben. Das hat eine ganze Weil gedauert und ich hatte einige Zeit
damit zu tun, ihnen zu helfen und darauf aufzupassen, dass sie nicht ihre
Sticker überall auf den Brief kleben, manche, z.B. Pendo, haben nämlich
Sticker sogar über das Geschriebene geklebt.
Nach dem Briefe schreiben war es Zeit fürs Abendessen und dann fürs Beten
und ins Bett gehen.
51. Tag (16.09)
Janna und ich hatten uns vorgenommen heute für die Kinder einen Obstsalat
zu machen. Wir sind also noch bevor wir ins Heim gegangen sind, zum Markt
gegangen um einzukaufen. Wir haben Ananas, Passionsfrüchte, eine Melone,
Orangen und Bananen gekauft. Das Ganze waren ca. 15 Kilo Obst, für die wir
515 Ksh bezahlt haben. Als wir vom Einkaufen zurückkamen, war es kurz vor
zehn. Einige größeren Kinder waren noch nicht zur Kirche gegangen. In
diesem Moment kamen überraschender Weise auch Besucher. Es stellte sich
heraus, dass es die Paten von Leon und Celina waren. Wir hatten sie erst Morgen
erwartet, zu Celinas Geburtstag. Sie wollten auch eigentlich so kommen,
dass alle Kinder in der Kirche sind. Als sie aber kamen waren eben noch
einige da, darunter auch Celina. Sie brachten einiges an Geschenken mit,
die wir an die Kinder nach dem Mittagessen verteilten. Janna und ich
erhielten von den Besuchern ein Körnerbrot und Mettgut und Leberwurst aus
Deutschland. Darüber haben wir uns sehr gefreut, denn das „Brot“ (an
zweiter Zutatenstelle Zucker) ist auf die Dauer echt nicht besonders
lecker. Wir konnten uns jetzt nicht so sehr um die beiden Besucher kümmern,
da wir den Obstsalat vorbereiten mussten. Nach dem Mittagessen und nach
dem Geschenke verteilen habe ich mit den Jungs zusammen gekocht, während
Janna sich um die Besucher kümmerte und ihnen auch die Chambai Sea Lodge
zeigte.
Unsere Besucher verließen uns so gegen fünf Uhr um Morgen zu Celinas
Geburtstag wiederzukommen. Der Abend verlief ganz normal. Einiges an
Vorbereitungen für die Schule mussten die Kinder noch erledigen. Nach dem
Abendessen wurde wie gewohnt gebetet und danach sind die Kleinen auch
schon ins Bett gegangen.
(valentin)
der rest von janna:
52. Tag (Montag, 17. 9.)
Bereits in den letzten Tagen war Tuma erkältet und hatte Kopfschmerzen,
als wir aber heute im Waisenheim ankamen, hatte sie auch noch einen
starken Husten. Ich war mir etwas unsicher, was ich machen sollte, wir
hatten auch keinen Hustensaft mehr im Haus. Die Mamas sagten, dass ich mit
ins Krankenhaus gehen sollte. Also habe ich kurze Zeit später ein Tuktuk
gerufen und wir sind zum Krankenhaus gefahren.
Der Tuktuk-Fahrer war ein Freund von Moses und immer, wenn wir ihn als
Fahrer rufen, darf er eine Runde ums Haus fahren, bevor wir losfahren.
Heute durfte Moses sogar das Tuktuk ein Stück auf der Straße fahren.
Im Krankenhaus musste Tuma einen Malaria-Test aufgrund ihrer Kopfschmerzen
machen. Sie hat eine leichte Malaria, Irene sagt jedoch, dass alle Kinder
im Heim immer etwas Malaria im Blut hätten. Also kein Grund zur Sorge.
Außerdem hat Tuma Hustensaft und Antibiotika bekommen.
Celina hatte heute Geburtstag, aus diesem Grund sind ihre Paten gerade
jetzt gekommen. Da Celinas Paten auch die Paten von Leon sind, durften
heute die beiden Kinder mit Mama Grace und den Paten einkaufen gehe. Beide
sind neu eingekleidet worden, Celina hat jetzt mal etwas feminines zum
Anziehen! Leon und Celina haben, als sie zurück waren, stolz ihre neuen
Sachen präsentiert.
Zum Abendessen gab es Chicken, spendiert von den Paten – immer wieder sehr
lecker.
Nach dem Essen haben wir Celinas Geburtstag gefeiert, sie hat
Fußballschuhe, Strümpfe und Schienbeinschoner bekommen. Sie hat sich sehr
gefreut und alle anderen mit ihr mit.
Das ist wirklich schön hier, dass sich alle Kinder gemeinsam über die
Geburtstagsgeschenke freuen und niemand eifersüchtig ist.
53. Tag (Dienstag, 18. 9.)
Tuma geht es wieder besser, sie war heute auch schon wieder in der Schule.
Sie hustet zwar noch, aber es klingt schon wieder etwas besser. Dafür geht
es jetzt aber Mama Edith schlecht, sie hat einen starken Schnupfen und
hustet ebenfalls. Auch einige der anderen Kinder haben leichte
Erkältungen. Ich glaube es liegt am Wetter, denn es ist jetzt wirklich
sehr trocken und heiß, und man möchte sich immer in den Wind setzen, um
sich etwas abzukühlen. Dabei kann man sich leicht erkälten.
Celina und Leons Paten haben ein Spiel für die Kinder mitgebracht. Es
besteht aus einem Holzwürfel mit sechs Löchern, durch Würfeln muss jeder
Mitspieler versuchen, seine Holzstäbchen in diese Löcher zu stecken, bis
er keine mehr hat. Dieses Spiel wird von den Kindern jetzt sehr viel
gespielt, aber nicht nur sie finden es toll, auch größeren Menschen bringt
es sehr viel Spaß. Moses Valentin und ich haben nach dem Mittagessen eine
Stunde lang gespielt. Um ehrlich zu sein habe ich am häufigsten gewonnen.
Die größeren Jungs (Sunday, Fadhilli, Kennedy, Willy und Brian) waren
heute zum ersten mal nach den Ferien wieder beim Fußball-Training. Sie
sind aber erst spät nach Hause gekommen. Alle anderen haben mit dem Beten
auf sie gewartet, bis sie geduscht und etwas gegessen hatten. Deshalb
waren die Kinder heute relativ spät im Bett.
Leon hatte heute mal wieder seine Zahnbürste verloren, wir haben sie ewig
gesucht und er konnte sich nicht mehr daran erinnern, wo er sie zuletzt
gehabt hatte. Am Ende hat Valentin sie in seinem neuen Rucksack gefunden,
der aber bereits von Tuma und Tina Olli mehrmals durchsucht worden war.
Langsam vergessen die Kinder wieder ihre Wäsche vor dem Abendessen von der
Wäscheleine abzunehmen. Das ist schade, denn die ersten Tage hatte es so
gut geklappt. Jedoch ist es auch schwieriger, denn fats alle Jungs gehen
kurz nach Schulschluss zum Fußball und kommen erst nach dem Abendessen
wieder. Dafür müssen wir wohl noch eine Regelung finden. Aber insgesamt
funktioniert es besser, als vor der neuen Regelung.
- 54.
Tag (Mittwoch, 19. 9.) Janna
Heute mussten die Schüler der 2. Klasse (Queeni, Celina, Brian und Fridah)
nach dem Mittagessen nicht wieder zur Schule, da der Lehrer krank war.
Am späten Nachmittag ist der Strom ausgefallen. Wir haben deshalb recht
früh gegessen, um die letzte Helligkeit des Tages auszunutzen. Nach dem
Essen mussten sich die Kinder umziehen, im Haus war es aber schon richtig
dunkel. Für den Fall, dass wir abends keinen Strom haben, gibt es hier
zwei Laternen. Es sind aber drei Schlafräume, also eine Lampe zu wenig.
Also haben sich die Kinder abgewechselt mit dem Licht, nur die großen
Mädchen mussten die ganze Zeit über ein Licht im Zimmer haben. Als keiner
mehr im Zimmer war, dachte ich dass ich die Lampe nach draußen zu den
Abwäschern bringen könnte.
Kaum war ich draußen, fragte mich Shuku, ob ich wohl die Lampe aus ihrem
Zimmer genommen hätte, ich antwortete ihr, dass ich sie genommen habe, da
keiner mehr im Zimmer war. Also musste draußen im Dunklen abgewaschen
werden, da sich die großen Mädchen nicht richtig organisieren können.
In den nächsten Tagen müssen wir noch ein oder zwei neue Lampen kaufen,
denn ich denke, solche Stromausfälle sind nicht so selten hier.
55. Tag (Donnerstag, 20. 9.)
Heute war ein Tag über den mir nichts einfällt, was ich schreiben könnte.
Es ist nichts passiert, alles war normal.
56. Tag (Freitag, 21. 9.)
Wir hatten heute unseren freien Tag. Vormittags waren wir in Kilifi und
haben einige Sachen eingekauft und waren im Internet-Café. Nachmittags
haben wir Rita besucht. Sie war vor ca. zwei Wochen bei uns im Heim zu
besuch und hatte uns eingeladen, sie einmal zu besuchen.
57. Tag (Samstag, 22. 9.)
Heute war Irenes letzter Tag, sie wirkte gar nicht aufgeregt oder nervös,
obwohl sie morgen nach Deutschland fliegt. Nach dem Mittagessen sind einige
Angestellte und der Manager der Barclays-Bank in Kilifi gekommen. Sie
haben sich das Heim angesehen und einige Lebensmittel mitgebracht. U. a.
hatten sie Kekse und Soda mitgebracht. Als alle Kinder Getränke bekommen
hatten, haben auch alle Mitarbeiter etwas bekommen, nur für mich war
nichts mehr da. Bevor sie gegangen sind haben die
Barclays-Bank-Mitarbeiter den Kindern noch etwas vorgesungen, sozusagen
als Gegenleistung zu dem Gesang der Kinder. Es war sehr lustig, alle
hatten viel Spaß.
Den ganzen Tag über wurden Sachen für den Trip am nächsten Tag
vorbereitet. Eigentlich wollten wir am Abend noch eine kleine
Abschiedsfeier für Irene machen, aber leider fiel am Nachmittag der Strom
aus, die Party war deshalb nicht so groß.
58. Tag (Sonntag, 23. 9.)
Am Morgen sind alle Kinder, und wir natürlich auch, sehr früh aufgestanden
(so gegen 3 Uhr morgens) um Irene zum Flughafen zu bringen und auf dem
Rückweg in den Pirates-Club zu gehen.
Leider konnte Mama Edith nicht mitkommen, da ihr Vater sehr krank war und sie
zu ihm musste.
Auf der Fahrt zum Flughafen waren die Kinder erstaunlich wach, alle haben
sehr laut viele verschiedene Lieder gesungen, nur Leon hat geschlafen.
Langsam war Irene doch etwas aufgeregt und bestimmt sehr gespannt auf das,
was sie in Deutschland erwarten würde.
Nach nur einer Stunde Fahrt (die Straße nach Kilifi ist immer noch gut!)
haben wir den Flughafen in Mombasa erreicht.
Wir haben Irene alle verabschiedet, was natürlich sehr traurig war und
wobei die ein oder andere Träne geflossen ist, dann verschwand sie auch
schon hinter dem Security-Check.
Wir haben dann noch eine Weile Flugzeuge angeschaut, aber wir konnten
Irenes Maschine nicht sehen.
Anschließend sind wir mit dem Bus zu einem Strand in der Nähe von Mombasa
gefahren. An diesem Strand liegt der Pirates-Club. Dort gibt es einen Pool
für Kinder und zwei große Wasserrutschen. Leider war eine davon kaputt. Am
Anfang gelang es fast keinem der Kinder die ganze Rutsche runter zu
rutschen, ohne „sitzen zu bleiben“. Gerade bei einigen Mädchen lag es aber
auch an der Badebekleidung, denn einige haben zum Baden einen Badeanzug,
eine Unterhose und eine kurze, enge Hose an – damit kann man natürlich
fast nicht rutschen. Nach einiger Zeit sind aber einige der Kinder, vor
allem die Jungs, Santa, Tina K. und Bahati, richtig schön schnell
gerutscht.
Unser Mittagessen haben wir in unserem Bus eingenommen, es gab
Chicken-Pilau und Salat. Um das köstliche Essen zuzubereiten hat Mama
Betty ihre Nacht in der Küche zugebracht.
Danach sind wir noch mal für einige Zeit in den Pool gegangen, bzw.
Kennedy, Valentin und ich waren im Meer schwimmen. Am Strand und im
Pirates-Club waren nur Afrikaner, keine weißen Touristen.
Mit der Zeit wurden alle müde, vor allem die Mamas, die immer wieder im
Sitzen einschliefen.
Auf dem Rückweg im Bus sind dann die meisten Kinder auch eingeschlafen, es
gab also auch keinen Gesang.
Mama Betty hat Valentin und mir mitgeteilt, dass sich keine der Mamas mehr
in die Küche stellen wird, um zu kochen, weil sie zu müde und zu erschöpft
sind. Also mussten wir schnell ein Abendessen planen, da die Kinder ja
noch etwas essen mussten, bevor sie ins Bett gehen. Wir haben dann
beschlossen, dass wir Brot und Bananen, wie sonst sonntags zum Mittag,
essen.
Mit dem Milchmann hatten wir abgesprochen, dass er erst abends die Milch
bringen sollte, da wir Vormittags ja nicht da waren. Aber irgendwie kam er
nicht und alle wollten ins Bett gehen. Ich habe dann die Mamas ins Bett
geschickt (sie haben vor den Kindern geschlafen!), mich dann um die Kinder
gekümmert, dass die auch ins Bett gehen, denn die waren plötzlich wieder
munter. Dann habe ich auf den Milchmann gewartet, er kam dann auch
irgendwann, die Milch abgekocht und dann bin ich auch nach Hause und ins
Bett gegangen. Es war insgesamt ein sehr langer Tag, etwas traurig, aber
trotzdem sehr schön.
59. Tag (24.09)- 66. Tag (30.09) valentin
Es ist nun schon die zweite Woche in der Irene nicht da ist. Eigentlich
läuft alles ganz gut. Die Kinder sind nicht aufgedrehter als sonst und sie
benehmen sich auch wirklich gut. Am Montag ist Steve an einer etwas
ernsteren Malaria erkrankt und deshalb ist er für zwei Tage nicht zur
Arbeit gekommen. Er war aber auch sofort beim Arzt und hat Tabletten
bekommen. Am Mittwoch war er dann wieder da.
Die Woche über war an jedem Tag am Abend auch Fußballtraining. Dort gehen
Sunde, Kennedy, Fadhili, Willi und Brian hin. Ihnen scheint es viel Freude
zu bereiten. Die Jungs kommen dann aber abends erst recht spät nach Hause,
so dass sich die ganze Prozedur mit dem Beten und dem Duschen usw. etwas
verspätet. Die Mädchen gehen immer noch zum Taekwondo und werden demnächst
auch Uniformen brauchen, die wir hier kaufen müssen, denn sie werden sich
für die nächsten Gürtel qualifizieren. Dafür ist es Vorschrift eine eigene
Uniform zu besitzen.
Am Dienstagabend war totaler Stromausfall. Wir hatten aber zum Glück ein
paar Tage vorher zwei neue Öllampen gekauft, so dass wir jetzt insgesamt
vier haben. Das reicht dann ganz gut, da auch einige Kinder Taschenlampen
haben und außerdem benutzen wir in so einem Fall auch Kerzen. Zu kaufen
gibt es aber hier leider nur so ganz dünne Kerzen, diese halten nicht
besonders lange.
Janna ist recht viel tagsüber mit der Wäsche beschäftigt, die uns immer
wieder Probleme bereitet. Bei so vielen Kindern, darunter auch sehr klein,
ist das aber eigentlich kein Wunder.
Es gibt auch durchgehend einiges an kleineren Reparaturarbeiten. Am
Dienstag habe ich die Umzäunung um den großen Gulli repariert. Dieser
Holzzaun war mittlerweile schon recht kaputt und dadurch werden die
zementierten Ränder immer weiter abgebrochen, nicht absichtlich aber
einfach dadurch, dass immer mal jemand da drauf läuft. Im Mädchenzimmer
war die Fassund der Glühbirne gebrochen, so dass ich sie ersetzen musste.
Mit Moses zusammen habe ich in dieser Woche auch endlich den Kompost
repariert, so dass dieser jetzt wieder ordentlich steht.
Wir haben auch acht kleine, süße Entenküken seit ein paar Tagen. Die sind
gerade frisch geschlüpft und es scheint ihnen ganz gut zu gehen. Kleine
Hühner haben wir auch dauernd, aber davon sterben relativ viele und es
schaffen längst nicht alle groß zu werden. Kleine Enten haben wir hier
seltener, da die Enten eine längere Brutzeit haben.
Fadhili ist derjenige, der sich um die Enten kümmert. Er macht das sehr gut
und redet auch immer von seinen Enten. Während der Woche kümmern sich
Moses, Steve und ich natürlich um die Tiere, da die Jungs keine Zeit
haben. Es macht den großen Jungs aber Spaß sich um die Tiere kümmern zu
können. Sunde ist für die Hunde zuständig und Willy für die Hühner.
Am Samstag waren die Jungs mit Moses und mir am Strand. Es war recht
windig, so dass wir die Drachen, die die Kinder hier haben, steigen lassen
konnten.
Wir waren natürlich auch schwimmen, was wirklich gut war wegen der Flut
und den dadurch entstehenden Wellen.
Am Abend haben wir dann endlich mal wieder einen Film geschaut. Helmut hat
uns ja netterweise seinen Beamer und Boxen hier gelassen. Um den Film
draußen anzuschauen, war es aber etwas zu kalt und zu windig. Wir waren
also wieder alle im Wohnzimmer.
Wir haben einen Zeichentrickfilm geschaut, worüber nicht alle Mädchen
glücklich waren. Sie haben mir am Ende gesagt, dass sie Trickfilme nicht
so gerne mögen. Ich habe ihnen gesagt, dass sie das nächste Mal den Film
aussuchen können, den wir schauen wollen.
Für Zaituni, Tina und Santa müßen wir Teakwando Anzüge kaufen, bezahlen
doch nicht alles! Einer kostet 3000ksh!
Zum Schluss noch etwas witziges, was ich vergessen habe zu erzählen. Wir
bekommen oft von Besuchern Süßigkeiten. An manchen Tagen verteilen Janna
und ich dann welche, so dass jedes Kind etwas bekommt. Als ich einmal im
Office saß, um zu schreiben, kam Tina Kadenge herein. Sie erzählte mir,
dass ihre Zähne so sauer seien und dass sie deshalb ein Hilfsmittel
bräuchte. Dabei zeigte sie auf die Tüte mit den Süßigkeiten, die im Office
stand. Ich musste sehr lachen, denn auf so eine Idee, wie mit den sauren
Zähnen, wäre ich gar nicht gekommen. Ich habe den Kindern dann am Abend
allen etwas gegeben.
Wochenbericht 8.10-14.10
Nun ist es bald Halbzeit ohne Irene. Alle hier im Heim vermissen sie und auch
ihr Ratschlag fehlt uns oft. Trotzdem läuft alles einigermaßen gut. Am Montag
fing Santas Bein auf einmal an zu schmerzen. Sie hat sich beim Taekwondo
wahrscheinlich eine kleine Prellung zugezogen. Sie hat am Abend ihre Beine in
warmem Wasser gebadet und Mama Grace hat ihr dann noch Robb aufs Bein
geschmiert. Wenn Mama Grace Robb aufträgt, fängt der „Patient“ immer an zu
heulen. Grace drückt das Robb nämlich mit ziemlicher Kraft auf die schmerzende
Stelle drauf. Trotzdem wollen alle Kinder sich immer von ihr mit Robb behandeln
lasse, weil es hilft. Santa musste also diese Prozedur auch durchstehen.
Der Dienstag war für die meisten Kinder nur ein halber Schultag, denn am
Mittwoch ist hier Moi-Day. Das ist ein Feiertag in Kenia. Am Nachmittag waren
also alle Kinder im Heim und hatten mehr Zeit als gewöhnlich zum Ausruhen und
auch zum spielen. Der Nachmittag war also auch für die Staff lebhafter als
sonst, was aber auch schön war denn so hatten wir Zeit mit den Kindern zu
spielen. Wir haben die Zeit auch genutzt um mit den kleinen Kindern die
Schränke aufzuräumen. Am Abend hat Kennedy nach dem Beten eine recht lange
Predigt für die anderen Kinder gehalten. Er hat ein Stück aus der Bibel vorgelesen
und dann viel erzählt, aus auf Swahili natürlich. Die Mamas haben gesagt, dass
das vor einem Feiertag sehr gut ist wenn sie eine Predigt bekommen. Am nächsten
Tag waren die meisten Kinder damit beschäftigt für die Schule zu arbeiten, in
der Küche zu helfen und aufzuräumen. Mit den Jungs habe ich gegen Abend Fußball
gespielt. Santas Bein tat immer noch ein bisschen weh und sie konnte nur
humpelnd laufen. Sie hat aber ihren Schmerz nicht gezeigt und sich auch nicht
beklagt. Sie ist auch nicht mit zum Taekwondo Training gegangen. Es sind also
nur Tina K., Zaituni und Pendo hingegangen. Ich habe Sunde gefragt, ob er auch
wieder mit Taekwondo anfangen möchte. Er hat aber gesagt, dass er nur Fußball
spielen möchte und kein Taekwondo mehr machen will. Am Donnerstag sollte Moses
sich mit Esthers Lehrerin treffen, die ihm dann miteilte, dass sich Esther in
der Schule sehr schlecht benimmt. Sie ist wohl immer sehr frech und vorlaut in
der Klasse. Die Lehrerin hat gesagt, dass sich Esther ändern muss denn sonst muss
die Schule sie rausschmeißen. Wir haben also mit Esther ein längeres Gespräch
gehabt und sie hat gesagt, dass sie sich bessern will. Fadhili hat sich Heute
auch über Kopfschmerzen beklagt, wir haben ihm also vor dem Schlafengehen eine
Aspirin Tablette gegeben. An unserem Off-Day haben wir nichts Besonderes
gemacht, denn wir waren vor allem kaputt. Ohne Irene ist alles irgendwie ein
bisschen anstrengender.
Wir haben einfach für uns gekocht und den Tag über gelesen und geschlafen.
Am Samstag war die Mama, die den Mädchen immer die Haare macht wieder da. Die
meisten Mädchen haben ihre Haare gemacht bekommen, außer die ihre Haare
abrasiert haben.
Mama Edith, die sonst auch immer geflochtene Haare hatte, hat sich ihre
abrasiert. Die Mamas haben jetzt alle die gleiche Frisur und tragen ihre
Uniformen. Moses und ich waren mit den Kindern, die Lust hatten, am Nachmittag
am Strand. Einige sind nicht mit ins Wasser gekommen sondern haben am Strand
ihre Lenkdrachen steigen lassen Das hat ihnen total Spaß gemacht. Einige Jungs
können das echt richtig gut. Am besten von allen ist aber Willi.
Kennedy hat das zum ersten Mal ausprobiert und schien auch ein Händchen dafür
zu haben.
Am Abend haben wir einen Film geschaut. Wir haben James und der Riesenpfirsich
von Roald Dahl geguckt. Die Mädchen haben in den folgenden Tagen dann immer die
Lieder, die James in dem Film singt, gesungen. Außerdem haben sie einige Szenen
des Films nachgespielt. Am Sonntag, dem Jungs Kochtag, haben sich die Jungs
überlegt, dass es zum Mittagessen nur Kekse und Saft geben soll. Ich habe mir
überlegt, dass ich ihnen nicht dazwischen reden werde, denn sie wollten das
unbedingt und hielten es für eine gute Idee. Nach dem Essen war natürlich
niemand satt. Die Jungs haben realisiert, dass sie am nächsten Sonntag doch
wieder etwas größeres machen sollten. Zum Abendbrot haben sie sich dann aber
Mühe mit Mandasi und Bohnen gegeben. Der Sonntag war wie immer mit Kirche und
Schulvorbereitung ausgefüllt. Fadhili hatte immer noch ein wenig Kopfschmerzen
und wir haben ihm gesagt, wenn es am Montag nicht besser ist, soll er zuhause
bleiben und wir gehen zum Arzt. Er hat dann aber gesagt, dass es nicht so
schlimm ist und dass er auf jeden Fall zur Schule gehen will. Ansonsten geht es
aber allen Kindern gut, Santa humpelt auch schon fast nicht mehr.
Wochenbericht (67-73-Tag, 1. bis 7. Oktober)
Seit Montag tragen die Mamas ihre neuen Uniformen, die Mama Edith in den
letzten Wochen genäht hat. Sie sind schön geworden, und alle haben sich darüber
gefreut.
Celina und Leons Paten sind am Mittwoch wieder nach Deutschland zurückgeflogen,
deshalb hieß es für alle am Dienstagabend Abschiednehmen. Es war etwas traurig,
auf beiden Seiten, sowohl der afrikanischen, als auch der deutschen, flossen
Tränen.
Bevor sie gefahren sind, wurde für uns noch ein Rezept für Dampfnudeln
aufgeschrieben, das haben Valentin und ich Freitag ausprobiert und fanden es
sehr lecker. (Danke!)
Da Leon und Baraka so gerne mit dem Tuktuk fahren, bin ich mit beiden und Moses
am Mittwoch nach Kilifi gefahren, um neue T-Shirts für Baraka zu kaufen und um
zur Post zu gehen. Eigentlich wollte ich mit den kleinen Jungs alleine gehen,
aber die Mamas haben sich Sorgen gemacht, dass ich nicht den richtigen Markt
finde und die Preise für mich zu hoch sind. Für Baraka waren die vielen
Menschen, Autos, Fahrräder etc. sehr ungewohnt, er konnte sich eigentlich gar
nicht vom Fleck bewegen, weil er soviel zum Schauen hatte, deshalb musste ich
ihn tragen. Und Leon musste zu Moses auf den Arm. Wir haben dann gleich noch ein
Geburtstagsgeschenk für Baraka gekauft, da er Samstag Geburtstag hatte.
Am Nachmittag wollte ich den Kindern Süßigkeiten geben (wir hatten alle so
saure Zähne). Wir hatten eine ganze Tüte voll bekommen und ich wollte, dass
sich jeder etwas aussucht. Die ersten Kinder haben kurz in die Tüte geschaut
und sich etwas genommen, aber dann kam Tuma an die Reihe. Sie musste erst
einmal alle Sachen anfassen, umdrehen, aus der Tüte nehmen, zurücklegen ...
Plötzlich fingen alle Kinder an, die um uns herumstanden in der Tüte zu wühlen.
Ich wiederholte immer wieder, dass nur einer zurzeit sich etwas nehmen darf,
aber es half nichts. Ich habe dann einfach die Tüte geschnappt und bin vor den
Kindern weggerannt. Die Kinder haben mich etwas ums Haus un durch den Garten gejagt,
ich hatte aber keine Chance, es waren zu viele. Irgendwann hatte jeder seine
Süßigkeiten, auch Tuma. In Zukunft werde ich aber nicht auswählen lassen,
sondern es wird, beispielsweise beim Essen, jedem gegeben.
Die letzten Tage haben die größeren Kinder sehr viel für ihre Examen gelernt
und waren dann mittwochs auch sehr froh, als sie vorbei waren.
Als ich am Donnerstag auf die Toilette gehen wollte, fiel mir auf, dass vom
Toilettenpapierhalter das Stück fehlte, an dem normalerweise die Rolle hängt.
Ein Blick in die Tiefe unserer Außentoilette genügte, ich sah das Stück auf dem
Grund liegen. Ich dachte nur Sch...
Auf meine Frage, wer es denn darein geworfen hätte, antworteten die Mamas, es
sei Baraka gewesen. Ich überlegte kurz, was besser sei, das Stück aus dem Klo
zu fischen oder ein neues zu schnitzen. Mein Blick fiel auf eine Konservendose
und mir kam die Idee, dass ich die Dose an einen langen Stock kleben könnte und
so das Stück vom Toilettenpapierhalter wieder heraufholen könnte. Ohne lange zu
warten habe ich gehandelt und nach einigen Versuchen es auch geschafft. Ich
hatte mir schon einen Eimer mit Wasser zurecht gestellt, damit ich es gleich
abspülen kann, weil es ja recht dreckig war. Am Ende dieser Aktion war der
Toilettenpapierhalter wie vorher. Ich habe noch dafür gesorgt, dass Moses
Baraka erklärt, dass er das nicht noch einmal machen darf. Es hat nichts
genützt, zwei Tage später lag es wieder in der Toilette, und da liegt es jetzt
immer noch.
Am Donnerstag habe ich es auch endlich geschafft, Mary ein Kissen zu nähen. Sie
hatte nämlich eine neue Matratze bekommen, die aber etwas zu lang für ihr Bett
war. Deshalb habe ich ein Stück abgeschnitten. Sie hat mich gefragt, ob ich ihr
ein Kissen machen könnte. Ich habe es ihr versprochen, aber es immer nicht
fertig gemacht. Jetzt ist das Kissen aber endlich fertig und Mary ist
glücklich.
Wie jede Woche gab es mal wieder Probleme mit der Wäsche, die Kinder
"vergessen" ständig ihre Wäsche von der Leine zu nehmen. Jetzt lagen
aber viele Kleidungsstücke hinterm Schuppen im Dreck. Aus diesem Grund war mal
wieder ein Gespräch über die üblichen Themen (Wäsche, Waschmaschine,
Waschpulver, Licht) nötig.
Am Samstag klingelte um 6:15 Uhr mein Handy, David rief an, um uns zu sagen,
dass einer von uns mit den Taekwondo-Mädchen nach Mombasa fahren muss. Sie
sollten um 6:30 Uhr beim Bus sein, außerdem reichte das Geld nicht was Valentin
dagelassen hatte. Valentin hat mit David abgemacht, dass er mit nach Mombasa
fährt und ich bin ganz schnell ins Heim gerannt, um ihnen aus dem Safe noch
Geld zu geben. Der Wettkampf in Mombasa verlief ganz erfolgreich, alle haben
sich für den Gelben Gürtel qualifiziert.
Am Abend haben wir noch Barakas Geburtstag gefeiert. Er hat sich über alles
(Gesang, Kuchen, Geschenke) sehr gefreut und konnte gar nicht mehr aufhören zu
grinsen. Seine neuen Sachen, die er bekommen hat, hat er auch gleich anprobiert
und am Sonntag für die Kirche angezogen.
Am Sonntag haben Valentin und ich für das Mittagessen 80 Brötchen aus vier Kilo
Mehl gebacken. Es war ganz schön viel Arbeit, aber alle fanden die Brötchen
sehr lecker, also hat sich der Aufwand gelohnt.
Insgesamt verlief die ganze Woche sehr gut.
22.10-28.10 eine Woche davor!
Die letzte Woche ohne Irene hat nun angefangen. Am Montag ist Zaitunis Geburtstag.
Sie ist etwas traurig darüber, dass Irene nicht bei ihrem Geburtstag dabei sein
kann. Der Tag verlief ganz normal. Mama Grace ist nach dem Mittagessen in die
Stadt gegangen um ein Geschenk zu kaufen. Das erledigt normalerweise Irene, da
sie aber nicht da ist habe ich Mama Grace damit beauftragt. Sie kennt sich
nämlich ganz gut mit den Kleidergrößen der Kinder aus und weiß auch, was jedes
Kind gebrauchen könnte. Das Abendessen habe ich früher zur mir genommen, weil
ich dann mit dem Matatu nach Mombasa gefahren bin. Dort habe ich Joe getroffen,
mit dem ich nach Nairobi fahren wollte. Ich musste dort nämlich in verschiedene
Offices für mein Visum, u.a. um meine Fingerabdrücke abzugeben. Den ganzen
Dienstag habe ich in Nairobi verbracht. Mir hat der Ausflug Spaß gemacht, weil
ich so einmal etwas anderes sehen konnte als die Küstenlandschaft. Auf der
Hinfahrt sind wir an einem sehr schweren Unfall vorbeigekommen, bei dem ein
Reisebus wie unserer in einen Tanklaster gerast ist. Beide Fahrzeuge waren, als
wir dort vorbeikamen, dabei komplett auszubrennen.
Wir mussten dort eine Stunde warten, was recht unheimlich war. Es war mitten in
der Nacht und überall liefen Polizisten und Soldaten rum. Nach einem
erlebnisreichen Tag in Nairobi bin ich am Dienstagabend mit dem Nachtbus wieder
zurück nach Kilifi gefahren, wo ich morgens um halb sechs ankam. Am Mittwoch
ist Rosetta mal wieder zu Besuch gekommen und hat uns viele Lebensmittel
gebracht. Sie ist eine Afroamerikanerin die nun in Kenia lebt.
Am folgenden Tag ist auch noch das Rote Kreuz mit einer Lebensmittelspende
gekommen. Sie haben uns 250 Kilo Reis, 20 Liter Fett und 70 Kilo Bohnen
gebracht. Nun ist unsere Speisekammer mal wieder richtig schön voll. Moses hat
heute auch einen sehr starken Malariaanfall bekommen, weswegen er den ganzen
Tag im Wohnzimmer gelegen hat. Am Freitag ist er dann zu Hause geblieben. Wir
haben an unserem freien Freitag nichts Besonderes gemacht. Wir waren einfach zu
Hause, haben schön gekocht und uns am Abend noch mit ein paar Freunden im
Members Club getroffen. Am Samstag mussten alle Kinder beim Aufräumen helfen,
da alles total in Ordnung sein sollte bei Irenes Rückkehr. Alle Kinder mussten
auch ihre Schränke aufräumen und die Zimmer in Ordnung bringen. Trotzdem haben
wir auch die Zeit gefunden, zum Strand zu gehen. Petra Scherz die gerade zu
Besuch war und in der Chambai gewohnt hat, ist auch mitgekommen. AM Abend haben
wir dann noch einen Film geschaut.
Wir hatten uns entschieden, die Kinder am Sonntag nicht in die Kirche zu
schicken, damit alle da sind wenn Irene ankommt. Am Vormittag haben die Kinder
die Bäume, das Essenshaus und das Eingangstor mit Blumen geschmückt. Es wurde
ihr Wunschessen vorbereitet: Ugali, Kumbu, Kachumbari, Mchicha und Mnavu. Die
Wartezeit kam uns dann unendlich lange vor, als Irene dann aber endlich vor dem
Tor erschien, rannten die Kinder sie förmlich über den Haufen. Alle waren
überglücklich, dass sie endlich wieder bei uns ist. Wir hatten alle im Heim
dann einen sehr schönen Abend, nach welchem die Kinder sicher alle gut
geschlafen haben, so wie die Erwachsenen auch….
Valentin
Wochenbericht 29. Oktober bis 4. November
Endlich ist Irene wieder da! Wir sind alle glücklich, dass sie wieder bei uns
ist.
Wir, und sie natürlich auch, hatten viel zu erzählen, deshalb saßen Valentin
und ich mit Irene montagmorgens, noch im Schlafanzug, bei uns im Wohnzimmer und
haben geredet. Es hat sich etwas länger hinausgezögert, sodass wir alle etwas
spät im Waisenhaus waren. Aber es war für uns wichtig, denn wir mussten einiges
besprechen.
Am Dienstag bin ich mit Mary und Zaituni ins Krankenhaus zum Malaria-Test
gegangen. Zaituni ging es schon länger nicht so gut, sie hatte viel
Kopfschmerzen und eine Erkältung. Mary war morgens von der Schule
zurückgekommen, und hatte den ganzen Vormittag geschlafen.
Zaituni wollte nicht mit ins Krankenhaus, aber Dally und Mama Grace haben sie
dann überzeugt mitzukommen.
Beide hatten Angst vor dem Test, am Ende ging es aber. Zaituni hatte keine
Malaria, aber war nicht ganz gesund, deshalb hat der Arzt ihr Medikamente
verschrieben. Marys Malaria-Test fiel positiv aus. Sie bekam auch Medikamente.
Auf dem Heimweg habe ich für die beiden je eine Tüte Groundnuts gekauft. Sie
haben dann den restlichen Tag geschlafen. Für Zaituni war es sehr schlimm, die
Tabletten zu nehmen, Mary hat aber alle Tabletten genommen, ohne sich zu
beschweren.
Nachmittags hat Valentin die Schokolade verteilt, die Irene aus Deutschland
mitgebracht hatte. Und dann haben wir noch Fadhillis Geburtstag gefeiert. Es
war wieder ein sehr schöner Geburtstag, zumal ja Irene wieder da war.
Irene war den ganzen Tag unterwegs, obwohl sie sich überhaupt nicht wohl fühlte.
Bevor sie wieder ins Heim kam, hat sie noch einen Malaria-Test gemacht, der
leider auch positiv ausfiel.
Am Abend war Baraka mal wieder so aufgedreht, dass er nicht schlafen konnte,
sondern im Bett lag und gesungen hat. Die anderen Jungs waren davon natürlich
etwas genervt, da sie schlafen wollten.
Mittwoch war ich mit Mama Betty im Krankenhaus, wir dachten, dass sie auch Malaria
hat, aber es war eine andere Infektion. Langsam werden alle hier krank…
Nach dem Abendessen hat Valentin die Geschenke und Briefe verteilt, die Irene
mitgebracht hatte. Die Kinder haben sich total gefreut, und wollten alle gleich
ihren Paten Briefe schreiben, was ja eigentlich auch sehr gut ist. Aber es war
leider schon sehr spät, und wir hatten sehr viel Arbeit damit, alle Kinder in
die Betten zu bekommen. Insgesamt war es ein großes „Schagalla-Bagalla“.
Donnerstag, Freitag und Samstag hatten Valentin und ich frei, denn die Zeit
ohne Irene war recht anstrengend und wir hatten eigentlich nie richtig „frei“,
denn es kamen immer irgendwelche anrufe oder Besuche vom Heim und meistens
mussten wir ein oder auch mehrmals zum Heim, um etwas zu regeln oder zu klären.
Obwohl Irene noch krank war (aber trotzdem viel gearbeitet hat) sollten wir
diese freien Tage haben.
Am Donnerstag haben wir eine schöne Bootstour an der Küste entlang gemacht und
waren vom Boot aus Schnorcheln. Für mich war es das erste Mal und ich fand
alles sehr interessant, ich habe sogar eine Schildkröte entdeckt! Außerdem gab
es natürlich viele Fische etc. zu sehen. Die restliche Zeit haben wir uns
einfach ein wenig entspannt und für uns gekocht (Ugali freie Zeit). Aber das
ein oder andere Mal waren wir natürlich doch im Heim…
Am Sonntag haben wir vormittags, als alle anderen in der Kirche waren, das Heim
gehütet.
Später war ich noch auf dem Markt, um Obst zum Marmelade machen einzukaufen.
Ich habe zu Hause ausprobiert, Marmelade selber herzustellen, es hat ganz gut
geklappt, jetzt möchte ich, wenn die Kinder Ferien haben es mit ihnen zusammen
machen. Es ist nämlich einfach und sehr lecker.
Jeden Sonntagabend, wenn die Kinder ins Bett gehen sollen, bricht das totale
Chaos aus. Einige Kinder müssen noch ihre Schuluniformen bügeln, andere haben
vergessen, wo ihre Zahnbürste ist etc.
Auch diese Woche war es wieder ein großes Durcheinander. Ich bin immer
glücklich, wenn wenigstens die kleineren Kinder im Bett sind, denn die großen
gehen von alleine irgendwann.
Viele Grüße, Janna
Wir haben übrigens seit 1,5 Monaten kein Wasser mehr im privaten Haus und jetzt
ist auch der Tank leer. Ich habe große Angst, dass dem Heim auch das Wasser
wegbleibt. Denn der Wasservorrat da reicht höchstens für 2 Tage.
Wochenbericht 5. bis 11. November
Am Montag hat uns die Patin von Brian besucht. Wir wussten, dass sie kommt,
hatten Brian aber nichts erzählt. Als er aus der Schule kam hat er sie schon
von weitem erkannt und ist auf sie losgestürmt, um sie zu umarmen. Fast wären
beide mit dem Stuhl, auf dem sie saß, umgefallen. Es sah sehr lustig aus, wie
in einem Film, alle mussten lachen. Brian hat sich schnell umgezogen und saß in
seinen Sonntagskleidern bei einergeliebten Hennerola (er konnte sich den Namen
Hannelore nicht merken). Es gab für jedes Mädchen einen Kanga und für die Jungs
T-Shirts, die wurden dann sonntags zur Kirche angezogen.
Mama Betty ist auch wieder gesund.
Mittwochs bin ich mit Leon, Baraka und Hanna zum Strand gegangen. Für Baraka
war es das erste Mal am Strand mit „Schwimmen“. Es war Ebbe und es gab keine
Wellen, was sehr gut war. Erst hat sich Baraka nicht getraut, ins Wasser zu
gehen, als er uns alle gesehen hat, ist er aber langsam auch hinein gewatet. Er
musste die ersten Minuten aber auf meinen Beinen sitzen, Leon dagegen ist schon
herum geschwommen. Im Wasser gab es viel Seegrasstücke, Baraka hat dazu immer
„Samaki“ (=Fisch) gesagt, und geriet völlig aus der Fassung, als ich ihm ein
Stück davon auf die Schulter geworfen habe, nachdem er mir mit einem Becher
Wasser über den Kopf gegossen hat. Insgesamt hat es ihm sehr gut gefallen, auch
wenn er sehr viel Wasser geschluckt hat, denn er redet die ganze Zeit.
Anschließend sind wir mit einem Tuktuk wieder zum Heim gefahren. Ich hatte
leider vergessen, mich mit Sonnencreme einzucremen, deshalb habe ich natürlich
hinterher einen Sonnenbrand auf dem Rücken gehabt.
Valentin, Moses und Steve sind stundenlang mit dem Fahrrad durch die Dörfer
gefahren, um eine Ziege für Samstag zu kaufen. Am Ende haben sie eine in Kilifi
gefunden. Und Valentin hatte ebenfalls einen Sonnenbrand.
Donnerstags ist Valentin mit Kenny ins Krankenhaus, denn er sollte eine
Tetanus-Spritze wegen seiner Knieverletzung bekommen. Die Kinder sind alle mehr
oder weniger gesund, viele haben leichten Husten und bekommen Hustensaft.
Unseren Off-Day haben wir genutzt um uns im Mnarani-Club die Sonne auf den
Bauch scheinen zu lassen. Es war ein schöner Tag am Pool mit einem sehr guten
Mittags-Büffet. Außerdem habe ich die Dusche genossen, denn wir hatten kein
Wasser im Haus, der Tank ist leer. Im Heim ist aber zum Glück noch Wasser, ich
hoffe, es bleibt nicht demnächst weg. Es ist aber ein sehr eigenartiges Gefühl,
in einem Haus zu leben, wo es zwar Wasserhähne, Dusche und Toilette gibt,
jedoch nicht benutzt werden können, da es kein Wasser in der Leitung gibt.
Am Samstag haben wir eine kleine Party gehabt, um Irenes Wiederkehr zu feiern.
Es gab die Ziege (Moses hatte sie morgens „zubereitet“), einige Enten und
Hühner aus eigener Aufzucht. Bei der Zubereitung der Enten und Hühner haben
alle mitgeholfen, sowohl Mädchen als auch Jungs und sogar ich. Ich habe das
erste Mal in meinem Leben ein Huhn gerupft, dabei wurde ich leider von Fadhili
mit Entenblut besprenkelt und musste mich (inklusive Haare und Hose) waschen.
Irene hatte, neben der Ziege, auch noch drei Kästen Sodas gekauft, sodass alle
sehr viel trinken konnten. Essen gab es auch reichlich, das Pilau war sehr
köstlich. Nachmittags gab es noch eine Ansprache von einem Pastor und ein
langes Dankes-Gebet, dass Irene heil zu uns zurückgekehrt war.
Am Sonntagabend haben wir einen Film mit den Kindern geschaut, es gab Superman,
den Film hatte Fadhili zu seinem Geburtstag von seinen Paten bekommen.
Nachmittags ist bei uns im Haus das Wasser zurückgekommen, nur in einem ganz
dünnen Strahl, aber besser als gar kein Wasser. Gegen 8 Uhr konnte man sogar
die Dusche wiederbenutzen. Allerdings war das Wasser noch sehr dreckig, da die
Schläuche solange trocken lagen.
(Janna)
Janna - Wochenbericht 19. bis 25. November 2007
Der Wochenbeginn war für mich immer noch geprägt durch meine Malaria, ich war
zwar nicht mehr krank, jedoch hatte ich immer noch Kopfschmerzen und ich habe
mich sehr schwach gefühlt. Deshalb bin ich dienstags noch mal ins Krankenhaus
gegangen. Mir wurde Blut abgenommen und untersucht, da der Arzt es sich nicht
erklären konnte, warum ich mich noch so schlecht fühle. Der Bluttest hat aber
nur ergeben, dass ich, bis auf diverse Allergien, gesund bin, also keine
Malaria mehr habe. Also sollte ich mir in der Apotheke einen Vitaminsaft
kaufen, der mich wieder fit machen sollte. Einen der Apotheker kenne ich schon
recht gut, er macht immer für uns gute Preise, leider war der nicht da und sein
Kollege nimmt immer „Mzungu-Preise“, also habe ich natürlich mal wieder zu viel
bezahlt
Leon und Baraka spielen wieder draußen, sie sind aber nach der Beschneidung noch
nicht wieder ganz in Ordnung. Niemand, der in einer Beziehung lebt, oder
wenigstens in dem Alter ist (zum Beispiel Irene und wir) darf den noch nicht
vollständig verheilten Penis nach der Beschneidung sehen oder gar berühren.
Ebenso war es uns nicht erlaubt die Jungs nach der Beschneidung zu berühren.
Würde man sich daran nicht halten, würde der Penis anschwellen und
wahrscheinlich sogar abfallen.
Also darf ich zurzeit nicht mithelfen Baraka und Leon zu waschen und umzuziehen
oder ihnen beim „Pupu-machen“ helfen. Das Problem war aber, dass sie sich nicht
so verhalten haben, dass es möglich gewesen währe, dass wir uns nicht berühren.
Denn wenn ich in ihre Nähe gekommen bin, haben sie versucht sich an meine Beine
zu hängen oder meine Hand angefasst, um an mein Handy zu kommen.
Als Pendo am Dienstag aus der Schule gekommen ist, hat sie sich krank gefühlt
und ins Bett gelegt. Später am Abend hatte sie dann aber auch auch noch hohes
Fieber, sodass wir mit ihr ins Krankenhaus gehen mussten. Ich habe Pendo mit
Mama Grace begleitet. Da wir erst nach dem Abendessen gegangen sind, hatte sie
bereits ihr Nachthemd an und hat sich auch nicht mehr umgezogen, nur einen
Kanga umgewickelt. Bei der Untersuchung kam heraus, dass Pendo Malaria hatte.
Der Arzt hat ein sehr, sehr teures Medikament aufgeschrieben, wir hatten gar
nicht genügend Geld mit, um das zu bezahlen.
Der Apotheker ist dann aber freundlicherweise noch einmal zum Doktor gegangen,
der dann ein anderes Medikament gesagt hat. Irene hat sich über den Vorfall sehr
geärgert, sie hat mit dem Oberarzt des Krankenhauses gesprochen, jetzt müssen
wir die Rechnung nicht mehr sofort bezahlen und wenn wir einen Notfall haben
oder Nachts etwas ist, kommt er zu uns ins Heim. Aber weiße Praktikanten dürfen
jetzt nicht mehr mit den Kindern oder als Begleitung ins Krankenhaus gehen,
denn das verleitet wohl zu viel zu hohen Preisen.
Zum Glück haben die Medikamente geholfen, denn am nächsten Tag ging es Pendo
schon viel besser.
Am Mittwoch hatten wir ein Staff-Meeting, wo wir die Sachen mit den Krankenhaus
und einige andere Sachen besprochen haben, wo noch keine Gelegenheit war, sie
früher zu besprechen.
Die Kinder hatten mittwochs und donnerstags ihre Examen. Kennedy konnte nicht
zum Mittagessen nach Hause kommen, denn das eine Examen ging sehr lange, und
das nächste fing bereits eine knappe halbe Stunde später an. Am Donnerstag hat
er deshalb ein wenig Geld bekommen, um sich etwas zu Essen zu kaufen. Darüber
war er sehr glücklich. Am Nachmittag bin ich mit einigen Mädchen einkaufen
gegangen, ich habe nämlich abends zu Hause Marmelade gekocht, für die Kinder
auch ein großes Glas. Sie mochten es gerne, aber irgendwie stand es einige Tage
später immer noch halbvoll im Kühlschrank.
Einige Kinder hatten schon Examensergebnisse bekommen, insgesamt sahen diese
doch sehr zufrieden stellend aus. (Mehr dazu im Monatsbericht für November)
Als kleine Belohnung habe ich mir ausgedacht, dass die Kinder für 90-99%
richtige Antworten in den Examen ein Kaugummi (Mr Berry) und für 100% zwei
bekommen. Ich denke für einige Kinder muss ich ganz schon tief in die Tasche
greifen, weil sie nur über 90% haben
An unserem freien Tag wollten wir eigentlich einen Ausflug zum Mida-Creek (kurz
vor Watamu) machen, aber die Frau, mit der wir zusammen fahren wollten, hatte
Malaria und wir mussten das geplante Picknick bei ihr zu Hause am Pool machen,
das war auch sehr schön. Bevor wir nach Hause gegangen sind, haben wir noch
dort geduscht, da wir mal wieder kein Wasser im Haus hatten.
Hat man mal eine Zeit lang kein Wasser und muss jeden Tropfen zum Zähneputzen,
Duschen etc zum Haus tragen, merkt man mal wie viel Liter Wasser täglich
einfach so wegfließen und wie gut es doch ist, wenn man einen Wasserhahn hat,
aus dem Wasser kommt.
Zum Glück haben wir Wasser im Heim, denn sonst müssten wir für alle Kinder
wieder Wasser kaufen und das ist viel Arbeit und sehr teuer.
Am Samstag sind Petra und Helmut wieder gekommen. Für die Kinder war es eine
Überraschung, denn wir haben es auch erst eine Woche vorher erfahren und
dachten uns, es wäre lustig die Ankunft geheim zu halten.
Leider waren wir total müde, denn in der Nacht davor, war bei uns in der Nähe
ein Tanzwettbewerb oder etwas ähnliches, denn von 10 Uhr abends bis 5 Uhr
morgens mussten wir immer wieder das selbe Lied hören, in einer Lautstärke, bei
der man einfach nicht wirklich schlafen kann.
Als Petra und Helmut endlich kamen, war die Überraschung für die Kinder
natürlich sehr groß. Alle haben sich sehr gefreut, dass „Mama Petra“ und „Vater
Helmut“ wieder da waren. Wie jedes Mal gab es auch diesmal für jeden (Kinder,
Mitarbeiter, Volontäre) Schokolade. Ich habe mich darüber sehr gefreut, denn
ich hatte schon sehr lange kein Stück Schokolade mehr gegessen und der
Geschmack war einfach himmlisch.
Am Nachmittag wollten die Kinder gerne mal wieder zum Strand gehen. Auch einige
Mädchen wollten mit, deshalb sollte ich auch mitgehen. Valentin und ich sind
noch schnell zum Haus, um unsere Badesachen zu holen. Als wir uns dann mit den
anderen Kindern und Stephen auf dem Weg getroffen haben, waren doch keine
Mädchen dabei. Ich bin dann aber trotzdem mit zum Strand gegangen.
Am Abend gab es dann Pilau mit Chicken als kleine „Willkommensparty“ für Petra
und Helmut.
Am Sonntag sind wir alle zusammen zur Kirche gegangen, denn es war die Taufe
von Leon, Baraka und Kevin. Wir wussten von der Taufe erst seit
Freitagnachmittag, also konnten wir sie nicht mehr bekannt geben, da Petra und
Helmut schon unterwegs waren und auch nichts davon wussten (Sorry).
Die Taufe fand in der St. Thomas Church im Kiswaheli-Gottesdienst statt. Die
drei Jungs hatten weiße Hemden und schwarze Hosen an und sahen sehr feierlich
aus. Alle drei haben Taufpaten aus der Gemeinde bekommen und einen christlichen
Taufnamen. Sie heißen
- Leon Max
- Baraka Paul (er selbst sagt „Paulo“)
- Kevin Boi
Nach der Taufe haben unsere Kinder während des Gottesdienstes noch zwei Lieder
gesungen.
Vom Gottesdienst selber habe ich eigentlich nichts verstanden, außerdem war es
sehr heiß in der Kirche, deshalb sind Petra, Helmut, Valentin, Irene und ich
etwas früher gegangen. Auch die großen Jungs sind zurück zum Heim gegangen,
weil sie das Mittagessen vorbereiten mussten.
Der restliche Tag verlief normal, wir haben nichts Besonderes mehr unternommen.
Petra hat unser Haus etwas weihnachtlich dekoriert, es kommt mir aber gar nicht
so vor, als würde die Adventszeit in ein paar Tagen anfangen.
Weihnachtsdekoration gehört einfach nicht in den Sommer!
(Janna)
Wochenbericht 12.11.-18.11. (Beschneidung von Leon und
Baraka) von Valle
An diesem Montag war die Beschneidung von Leon und Baraka angesetzt. Schon
morgens früh verließen sie mit Irene und Mama Grace das Haus. Sie sind mit
einem TukTuk zum District Krankenhaus gefahren. Als sie wieder ins Heim
zurückkamen waren Leon und Baraka noch unter vollem Einfluss der Medikamente
und haben erst einmal einfach nur geschlafen. Als sie langsam zu sich kamen,
hatten sie sehr starke Schmerzen und haben viel geweint. Sie mussten drei Mal
am Tag einen Paracetamol - Saft zu sich nehmen.
Was für mich sehr besonders an der Sache war, dass es für frisch beschnittene
Jungen hier in Kenia ganz bestimmte Regeln gibt. Erwachsene und Jugendliche,
die geschlechtsreif sind oder einen Freund/Freundin/Mann/Frau haben, dürfen mit
den neu beschnittenen nicht in körperlichen Kontakt kommen. Wenn jemand auf den
dieses Zutrifft nämlich mit den kleinen Jungs vor der vollkommenen Verheilung
in Körperkontakt kommt, wird sich die Verheilung stark hinauszögern und
schlimmen Fällen sogar nie mehr verheilen.
Um die kleinen Jungs musste sich also vor allem Mama Grace kümmern, da sie
schon sehr alt ist und keinen Mann mehr hat. Das alles war für mich etwas
komisch, da ich es kenne, dass wenn jemand krank ist, man sich um ihn besonders
stark kümmert. In der Nacht nach der Beschneidung hat Mama Grace mit den beiden
Jungs im Wohnzimmer geschlafen und die beiden haben wohl in der Nacht sehr
stark geweint. Am frühen Dienstagmorgen sind wohl beide auch für ihr erstes
Pipi machen auf die Toilette gebracht worden. Das erste Pinkeln ist wohl sehr
wichtig, weil dann das gesamte geronnene Blut herausgespült wird. Gleichzeitig
ist es aber auch sehr schmerzhaft. Leon und Baraka waren während der ganzen
Tage nur in Tücher gewickelt und sie konnten auf ihren Matratzen im Wohnzimmer
immer nur sehr breitbeinig sitzen oder liegen. Zum essen wurden sie halb
hingesetzt und die ganze Prozedur war nicht besonders einfach.
Als die beiden am Mittwoch wieder anfingen so halbwegs zu laufen, sah dass
recht witzig aus. Sie sind breitbeinig und humpelnd hin-und-her gewackelt. Sie
sahen eher aus wie alte Männer. Die Mamas waren sehr viel damit sich um sie zu
kümmern und ihnen bei allem zu helfen. Die großen Kinder haben sich also
hauptsächlich ums Kochen gekümmert, denn in dieser Woche war auch keine Schule,
da die achten Klassen ihre Abschlussarbeiten hatten. Das mit dem Kochen hat
sehr gut funktioniert und da heben die Kinder auch ein großes Lob verdient.
Leon und Baraka ging es Tag für Tag ein Stückchen besser und sie haben ab
Donnerstag eigentlich gar nicht mehr geweint. Am Donnerstag kam auch der
Taekwondo Lehrer von Santa, Tina K., Pendo und Eva (Zaituni). Wir sind alle vor
dem Mittagessen in die Chambai gegangen und dort hat der Lehrer dann im großen
Essensraum drei Stunden Taekwondo mit den Kindern gemacht. Für viele war das
sehr anstrengend und schweißtreibend, aber es hat allen Spaß gemacht und gut
getan.
Als wir wieder im Heim waren hat der Lehrer noch Ausschnitte aus Taekwondo
Lehrfilmen und Kämpfe von den Weltmeisterschaften gezeigt.
Am Freitagabend konnten Leon und Baraka zum ersten Mal wieder in ihr eigenes
Bett im Jungenzimmer. Ab Samstag durften sie sich auch wieder frei auf dem
Gelände bewegen. Baraka hat auch gleich etwas ganz tolles gemacht. In der
Außentoilette haben wir eine Halterung mit Toilettenpapier und darin ist ein Stab
wo die Rolle festsitzen soll. Baraka hat diesen Stab in das Loch geworfen und
der ist sofort in der ganzen S**** versunken.
Am Sonntag war dann eigentlich nichts besonderes, nur dass Leon und Baraka
wieder mit in die Kirche durften und zum ersten Mal seit der Beschneidung
wieder eine Hose anstelle der Tücher anhatten.
Wochenbericht 3. bis 9. Dezember 2007 von Janna
Anfang der Woche hatten wir Besuch von Kevins Paten aus Deutschland. Er hat
sich sehr gefreut darüber, es ist immer wieder etwas so besonderes für die
Kinder wenn die „Eltern“ sie besuchen kommen.
Montag gegen Abend hat Pendo ihr Geburtstagsgeschenk in Form eines Gutscheins
bekommen. Alle Kinder und Mitarbeiter haben sich in einem Kreis aufgestellt und
Pendo stand in der Mitte und hat den Gutschein vorgelesen. Darin stand, dass
wir alle auf Safari fahren und unsere Reise von Bernd Lehrle (Pendos Pate) und
DM Tours (Safari-Unternehmen aus Diani/Südküste) gesponsert wird.
Die Kinder haben alle gleich geklatscht, aber es hat einen Moment gedauert, bis
sie verstanden hatten, was es heißt, dass wir alle zusammen eine Reise machen.
Der Jubel war dann aber umso größer. Alle Kinder haben gesungen und getanzt.
Am Dienstag sind wir am Nachmittag mit fast allen Kindern zum Strand gegangen.
Auch die Paten von Dally sind mitgekommen. Es war mal wieder richtig schön,
denn mit so vielen Kindern waren wir lange nicht mehr am Strand. Der Rückweg
war allerdings etwas anstrengend, denn Baraka und Leon mussten getragen werden,
weil sie so müde waren.
Petra hatte schon eine Außendusche vorbereitet, damit die Kinder den ganzen
Sand vom Strand nicht ins Haus tragen. Die meisten Kinder sind früh ins Bett
gegangen, weil sie so müde waren.
Mittwochs sind wir mit Helmut, Petra, Irene, Klaus, Karin und Nine (Paten von
Dally) nach Mombasa gefahren, um einige Einkäufe zu tätigen. Vorher mussten wir
aber noch nach Diani, um mit Dennis Moser (dem Besitzer des Safariunternehmens,
welches unsere Safari mit sponsert) die letzten Fragen zu der Safari zu
besprechen.
Die Fahrt hat uns mal wieder über sehr abenteuerliche Straßen geführt, und wir
mussten auch die legendäre Likoni-Fähre benutzen. Auf dem Rückweg sind wir an
der Fähre noch von einem Polizisten angehalten worden, er meinte dass unser
Taxifahrer ein Beachboy wäre und Irene etwas Ähnliches. Er war sehr wütend,
dass wir ihm kein Geld gegeben haben, damit er uns in Ruhe lässt.
Mombasa ist wirklich eine Großstadt, im Gegensatz zu dem verschlafenen Kilifi.
Es gibt immer wieder sehr viel zu gucken, denn es gibt soviel interessantes zu
sehen. Wir haben u. a. neue Schuluniformen bestellt. Auf dem Rückweg waren wir
noch im Nakumatt, um zum Beispiel neue Champali (Flip-Flops) für die Kinder zu
kaufen. Die Schuhe sollte nämlich der Nikolaus bringen.
Als wir wieder in Kilifi waren, war es schon dunkel, und wir waren alle müde
vom Einkaufen und von den langen Fahrten. Valentin hat im Heim geschlafen, um
dem Nikolaus zu helfen. Er hat gegen ein Uhr die Geschenke in die
bereitgestellten Schuhe gelegt. Um vier Uhr ist ein Kind zur Toilette gegangen
und hat die Geschenke gesehen. Alle Kinder sind aufgestanden, um die Sachen zu
sehen und aufzuteilen. Danach sind alle wieder ins Bett gegangen und haben noch
etwas geschlafen.
Die Kinder haben sich natürlich die ganze Woche auf die Safari gefreut. Sie
sollten jeder einen Rucksack mitnehmen, mit allen Sachen. Die meisten Kinder
haben auch gleich Dienstag angefangen, ihn zu packen. Leider hatten nicht alle
an alles gedacht, zum Beispiel fehlten diverse Pullover, das haben wir aber erst
auf Safari gemerkt.
Am Sonntagnachmittag haben alle Kinder gut mitgeholfen, die letzten Sachen für
die Safari zu packen. Wir haben für jedes Auto eine Kiste mit Brot, Bananen,
Saft und Bechern gepackt. Als wir damit fertig waren, haben wir noch alle auf
die Fahrer der Safari-Busse gewartet. Als sie endlich da waren haben die Kinder
ein Lied zur Begrüßung gesungen. Eigentlich sollten alle früh ins Bett, aber
wir sind alle erst richtig spät ins Bett gekommen. Die Kinder waren auch viel
zu aufgeregt, früh einzuschlafen.
(Janna)
Wochenbericht 10.12.-16.12. (Die Safari)
Früh am Montagmorgen sind wir aufgestanden, denn es sollte ja um sechs Uhr zur
Safari losgehen. Die Fahrer der fünf Busse hatten bei uns oben im Haus
geschlafen und dann auch gefrühstückt. Ich war in einem Bus mit Janna, Brian,
Kevin, Jimmy, Kennedy, Ngao und Steven. Von Anfang an lief alles etwas
Chaotisch, denn die kleinen Jungs haben sich viel gestritten oder die großen
genervt.
Der erste Teil der Fahrt verlief ruhig bis zur großen Frühstückspause noch
außerhalb des Parks. Wir hatten Brot, Bananen und Saft in den Bussen dabei. Es
gab bei uns im Bus dann schon Gezanke wer als erstes bekommt usw. Nach der
ausgiebigen Pause ging es dann in Richtung Buchuma Gate und dann in den Tsavo East
National Park hinein.
Wir haben auf der Fahrt zur Voi Lodge (72km vom Buchuma Gate) schon sehr viele
Tiere gesehen. Am spannendsten fand ich eine Herde von ca. 30 Elefanten
Jungbullen. Als wir zum Mittagessen in der Lodge ankamen, waren alle sehr hungrig
und es gab ein schönes Bufet. Für die Kinder war das auch etwas ganz neues,
denn das Meiste was es dort zu essen gab kannten sie nicht. Ich habe versucht
ihnen Salate und Suppen als Vorspeise schmackhaft zu machen, aber die
allermeisten sind zu den Fleischgerichten gegangen und haben sich dort die
Teller voll gehäuft. Salat kennen sie nicht und die meisten Gemüse Gerichte
kannten sie auch nicht.
Nach dem Essen gab es dann zwei Stunden Zeit zum ausruhen, in der die meisten
von uns zum Pool gegangen sind. Außerdem haben alle Kinder in der Voi Lodge für
Klaus (Mundhenks waren auch mit auf der Safari) ein Lied gesungen und er hat
ein Geschenk überreicht bekommen.
Einige haben sich auch in den Zimmern hingelegt und ausgeruht. Um vier Uhr ging
es dann zur nächsten Pirschfahrt, von der wir so gegen sieben Uhr zurückkamen.
Es sind erst alle zum duschen in ihre Zimmer gegangen. Ich war mit Brian und
Willi in einem Zimmer. Wir hatten im Bad nur eine Badewanne mit
Duschvorrichtung. Ich habe zuerst geduscht und dann den beiden Jungs erklärt,
wo das heiße und wo das kalte Wasser ist, wie man sich Seife aus dem Spender
nimmt und dass sie den Vorhang zumachen müssen. Die Jungs waren dann zusammen
in der Dusche und ich saß im Zimmer und habe gewartet. Plötzlich kam unter der
Badezimmertür ein riesiger Fluss Wasser heraus und hat das halbe Zimmer
überschwemmt.
In der Dusche waren die Jungs am Kaspern und hatten den Vorhang natürlich nicht
zu gemacht. Wir mussten nun fast alle der Handtücher die bei uns im Zimmer
waren dazu verwenden, das Wasser aufzusaugen. Als wir damit fertig waren, haben
die beiden Jungs mir versucht zu erzählen, dass Irene ihnen gesagt hätte, sie
sollen zum schlafen nicht ihre Schlafsachen anziehen. Die Begründung war dass
wir zur Pirsch am nächsten Morgen sehr früh aufstehen müssen und es deshalb
praktisch wäre, gleich seine richtigen Sachen anzuhaben.
Als ich Irene beim Abendessen darauf ansprach, konnte sie auch nur Lachen.
Während des Essens hatten wir einen Stromausfall und die Kellner mussten alle
mit Kerzen versorgen.
Am nächsten Morgen nach dem frühen aufstehen und während der Frühpirsch hat
sich Brian bei uns im Bus wieder was Tolles geleistet. Vom Vortag hatte er noch
eine Banane in seiner Tasche, und er fragte mich ob er die während der Pirsch
den Pavianen geben darf. Ich habe im das natürlich verboten und dann hat er
seine Banane auch selber gegessen, aber die Schale in der Hand behalten. Das
habe ich aber leider nicht mitbekommen. Als wir dann bei einer ganzen
Pavianfamilie hielten und alle aus dem Dach schauten, sagte Brian zu mir, dass
das eine große Männchen in dauernd so anschaut. Plötzlich ist das Männchen auf
unsern Bus zu gerannt und daran hochgesprungen aber zum Glück nicht hoch genug
um hereinzukommen. Brian ist rückwärts auf den Boden vom Bus gefallen, mit der
Bananenschale immer noch in der Hand.
Seitdem hatte er auf dem Rest der Safari ziemliche Angst vor den Affen.
Der Rest der Safari verlief ohne weitere Besonderheiten, zum Mittagessen waren
wir außerhalb des Parks an den dessen Grenze in einem Restaurant. Dann ging es
zurück nach Hause, wo alle nach einem kurzen Abendessen gleich in Bett gegangen
sind.
Am Mittwoch waren alle vor allem noch müde. Am Nachmittag kamen die Paten von
Kevin und haben alle zum Eisessen eingeladen. Am Donnerstag haben Klaus und
Karin alle zum Chicken and Chips Essen in der Chambai eingeladen.
Freitag an unserem Off-day waren Janna und ich mit Helmuth, Klaus, Karin und
Nine vom Mnarani Club aus tauchen. Wir haben sehr viele Fische und Korallen gesehen
und die Tauchfahrt war echt super schön. Am Samstag sind wir am Nachmittag mit
den meisten Kindern zum Strand gegangen. Es war nun auch schon der letzte Tag
für Mundhenks.
Am Abend haben wir nach dem Essen Bilder von der Safari mit dem Beamer angeschaut.
Danach haben sich die Kinder von Mundhenks verabschiedet und noch einige Lieder
gesungen. Der Sonntag verlief dann ganz normal mit der Kirche dem Rest des
Tages Zeit zum Spielen usw.
Weihnachten 2007
Der 24.12. fing für mich und Janna schon recht früh an, da wir zum Flughafen
gefahren sind um meine Eltern abzuholen. Es war schön, meine Eltern hier in
Kenia wieder sehen zu können. Auf dem Rückweg vom Flughafen, begegnete uns dann
etwas, was uns so gar nicht in weihnachtliche Stimmung versetzte. In Bombulu
wurde am Straßenrand ein Mann gesteinigt, wahrscheinlich war er ein Dieb
gewesen. Er lag am Boden mit völlig zerstörtem Kopf und überall neben ihm lagen
faustdicke Steine. Es stand eine Menschenmenge um ihn herum und diskutierte
lauthals. Dies war als ersten Eindruck von Kenia für meine Eltern nicht gerade
schön. Zu Hause angekommen haben sich meine Eltern ein kleines bisschen
eingerichtet und sich dann auch schon hingelegt um sich auszuruhen.
Janna und ich sind ins Heim gegangen, wo die Weihnachtsvorbereitungen schon im
vollen Gange waren. Ich habe dann mit den Mamas und einigen Kindern eine
riesige Schüssel Obstsalat vorbereitet.
Als es gegen Abend zuging, wurde die Stimmung bei den Kindern zunehmend
gespannter, denn sie wussten, dass der Santa Klaus heute kommen würde. Vor der
Bescherung gab es aber erst einmal das Weihnachtsessen, welches aus frittiertem
Hühnchen, englischen Frühstückswürstchen, Kachumbari, Brot und Obstsalat
bestand. Jeder hatte die Möglichkeit, wirklich gut satt zu werden und die
Kinder nutzten dies auch aus.
Nach dem Abendessen mussten Janna und ich dann mit den ganzen Kindern einen Spaziergang
machen, um den Weihnachtsmann zu suchen. Wir mussten aus dem hinteren Eingang
vom Heim hinaus, da nach vorne hin die große Schaukel geliefert wurde, die es
als Weihnachtsgeschenk für alle geben sollte. Wir haben also hinterm Heim
einige kleine Runden gedreht, auf denen wir den Weihnachtsmann natürlich nicht
gefunden haben.
Die Kinder haben während der ganzen Zeit gesungen und bei jedem Menschen dem
wir begegnet sind gerufen, dass dies der Weihnachtsmann sei. An einem der
kleinen Shops hinterm Heim habe ich allen Kindern noch ein Mr. Berry gekauft,
so dass die Zeit etwas schneller vorbei geht. Irgendwann bekam ich dann endlich
einen Anruf, dass alles fertig sei und dass wir zurückkommen könnten. Als wir
wieder da waren, brannte im Küchenhaus schon der Weihnachtsbaum und Petra ging
mit Queeni ums Haus, um zu schauen ob dort jemand sei.
Sie kamen zurück gerannt und waren ganz aufgeregt. Nun hörte man auch schon ein
rasseln und schwere Schritte kamen ums Haus herum. Plötzlich haben die Hunde
angeschlagen und klangen dabei wirklich recht böse. Der nun erscheinende
Weihnachtsmann musste mit seinem Stock die Hunde von sich fernhalten. Er ging
dann ins Küchenhaus, wo alle Kinder schon saßen und plötzlich ganz ruhig waren.
Er begrüßte alle und wurde mit großem Respekt, auch von den großen Kindern,
zurückgegrüßt.
Nun fing der Weihnachtsmann an, die Geschenke an jedes Kind einzeln zu
verteilen. Dazu musste jedes Kind nach vorne kommen und einige fragen über sein
Benehmen und über die Leistung in der Schule beantworten. Leon und Baraka
schienen ziemlich Angst zu haben, es war für beide ja das erste Mal, an dem sie
den Weihnachtsmann gesehen haben. Als Baraka nach vorne musste, war dieser ganz
still und hat mit großen Augen geschaut.
Als Leon auf Tumas Arm nach vorne kam, fing er an sehr stark zu heulen. Er
hatte große Angst und konnte kaum noch Danke schön zum Weihnachtsmann sagen.
Als alle an die Reihe gekommen waren, auch die Mamas und die anderen
Mitarbeiter, verabschiedete sich der Weihnachtsmann und ging wieder. Die Hunde
ließen in diesmal in Ruhe. Die Kinder haben für den Weihnachtsmann noch Asante
Sana gesungen und konnten sich dann so richtig über ihre Geschenke freuen.
Die Kinder haben ihre Geschenke dann draußen auf den Bänken und Tischen
angeschaut, während es nun eine kleine Runde nur mit den Mitarbeitern, Petra
und Helmut und mir und Janna gab. Petra hat eine kurze Ansprache gehalten und
dann gab es für jeden einen Umschlag mit einer Zuwendung vom Verein und den
Weihnachtsspenden der Paten und Mitglieder. Danach wurden alle Mitarbeiter in
einen zwei Tages Urlaub geschickt. Sie bekamen auch noch einen dritten Tag
frei, den 27.12., an dem ja die Wahlen in Kenia angesetzt waren.
Nun folgten für uns drei recht anstrengende Tage, an denen wir aber zum Glück
auch Hilfe hatten. Am ersten Tag sind Janna und ich mit einigen Kindern die
Lust hatten, in die Kirche zum Weihnachtsgottesdienst gegangen. Das war sehr
schön und ganz besonders. Die Kirche war ziemlich voll und glücklicherweise war
der Gottesdienst auf Englisch. Als wir zurück in Heim kamen, war Irene trotz
ihres freien Tages auch da und hat, ziemlich alleine, das Mittagessen und das
Abendessen für uns gekocht. Sie hat die Reste des Weihnachtsessens verarbeitet
und so hatten wir keine Arbeit mehr mit der Essensvorbereitung.
Am Abend haben wir noch Dick und Doof geschaut, was den Kindern sehr gut
gefallen hat. Janna, Christian und ich haben, wie die Nacht davor auch schon,
im Heim geschlafen. Die Nacht verlief sehr ruhig und die Kinder sind auch nicht
so früh aufgewacht. Wir hatten ihnen nämlich extra gesagt, dass sie dann
aufstehen sollen wenn sie aufwachen. So sind alle zwischen 7 und 7:30h
aufgestanden. Wir haben uns Zeit gelassen, das Haus geputzt und das Grundstück
gereinigt. Dann haben wir alle zusammen gefrühstückt.
Für das Mittagessen haben wir nur Brot mit Obst und Saft gegessen, denn zum
Abendessen haben Petra und Helmut alle in die Chambai eingeladen. Der Tag
verlief auch sehr ruhig, denn die Kinder haben alle als ein Team
zusammengearbeitet und auch immer fleißig mitgeholfen.
Am Abend haben wir wieder Dick und Doof geschaut, was wieder große Heiterkeit
hervorrief. Die Nacht verlief wiederum sehr ruhig. Ich habe mich am Abend noch
recht lange mit Kennedy über die Wahlen und die Politik in Kenia unterhalten.
Als wir ins bett gehen wollten, fiel uns dann ein, dass die Milch noch nicht
gekocht wurde. Wir haben uns also beide vor den Herd in der Küche gesetzt und
die Milch gekocht. Dabei haben wir uns weiter unterhalten und in einer
deutschen Zeitschrift geblättert. Der letzte der drei Tage verlief genauso gut
und es ist wieder nichts besonders geschehen.
Nach dem Abendesse, Irene war davor schon gekommen, konnten Janna und ich
unseren Urlaub anfangen. Irene und Winnie haben im Heim geschlafen. Janna und
ich sind mit meinen Eltern nach Hause gegangen, und ich konnte es gar nicht
glauben, dass ich nun mehr als nur einen freien Tag haben sollte.
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