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Bericht von Mathis aus dem
Waisenhaus Saidia kwa Moyo in Kilifi/Kenya, Febr. 2005

Mein Name ist Mathis Wieler ich bin 20 Jahre alt und ich habe über
2 Monate als Freiwilliger in Bibimalaika’s Waisenhaus in Kenia mit geholfen.
Ich bin ein Jahr durch mehrere Länder in Afrika gereist immer auf der Suche
nach Waisenhäusern oder Strassen- Projekten bei denen man mithelfen kann. Ich
war gerade auf der Suche nach einer weiteren Volontärstelle als ich zufällig in
Kilifi Stopp machte. Mein eigentlicher Plan war es nach Lamu hoch zu fahren um
mich dort nach einer Stelle um zu schauen (ich habe erfahren das es dort viele
Heime gibt).Da ich jetzt aber in Kilifi war dachte ich mir, dass ich auch mal
hier nach schaue. Gleich die erste Person die ich fragte erzählte mir, dass es
nur eins gibt und das noch ziemlich frisch sein soll.
Aufgeregt ging ich also los. Als ich ankam hat es mich erstmal von den Socken
gehauen.
Ein Wunderschönes Heimchen, schöner Garten……….einfach Traumhaft.
Dann las ich das Eingangsschild………“Kinderhilfsprojekt“ Da war mir klar, dass
Deutsche es aufgebaut haben oder sponsern oder beides wie hier der Fall.
Als die Kinder sahen dass ich näher auf das Grundstück zu kam versammelten sich
alle Kinder am Tor und begrüßten mich. Als dann noch das Personal mich lieb
begrüßte war mir klar:“ ich wollte hier ein paar Wochen !!!!(wie zuerst
geplant, nachher über 2 Monate) bleiben.“
Der alltägliche Tagesablauf sah so aus, dass die Kinder in aller Frühe
aufstanden. Es wurde geduscht die Schuluniform angezogen und
gefrühstückt. Dann ging es ab zur Schule.
Für Daniel fing die Gartenarbeit an, Grace säuberte das Haus, Selfar kochte zu
Mittag
und Pauline regelte den Papierkram, Einkauf etc. Ich half dort aus wo Hilfe
benötigt wurde.
Mal beim Umpflügen vom Maisfeld (die ersten Wochen) mal beim Kochen mal beim
säubern.
In der Ferienzeit habe ich die Kinder am Morgen und am Nachmittag in Englisch
und Mathe unterrichtet. Viele Kinder gingen bevor sie ins Heim kamen nicht zur
Schule und hatten deswegen arge Probleme, was sich auf ihren Zeugnissen
bemerkbar machte. O.K also wieder zum Tagesablauf…………. Zum Essen kamen die
Kinder wieder zum Heim jedoch verschwand die gute Hälfte zum
Nachmittagsunterricht wieder. Die Kinder die schon aus der Schule zurück waren
nahmen sich Zeit um ihre Wäsche zu waschen. Die Kinder helfen sehr viel mit im
Haushalt und sind sehr, sehr hilfsbereit. Sie waschen ihre Wäsche selbst, immer
zwei von ihnen machten den Abwasch und und und.
Gegen Nachmittag hatten wir jedoch immer Zeit zum spielen. (was sie liebten)
Ich brachte ihnen Spiele bei wie Fischer Fischer, Kettenpacken, Reise nach
Jerusalem………….jedoch lerne ich eben so viele Spiele von ihnen.
Am Samstag oder Sonntag gingen wir immer alle zusammen zum Strand. Das war mit
der Kirche am Sonntag das Aufregendste der Woche. Sie liebten es…..
Die Kinder liebten es über alles zu schwimmen und sie kamen erst aus dem Wasser
wenn wir wieder zum Abendessen nach Hause mussten. Es ist schade, dass
die Kinder nie richtig gelernt haben zu schwimmen aber von wem sollen sie
es auch beigebracht bekommen. Ich habe es probiert jedoch sind es zu viele
Kinder und jeder will dran kommen. Deswegen hatte jeder immer nur 10 Minuten
jeden Sonntag mit mir aber das reichte nicht aus. Als Nanne dann am 28.12 mit
Schwimmflügeln ankam und sie sie auch gleich am nächsten Tag ausprobierten
hatten, hatten die Kinder einen neuen besten Freund gefunden. Die
Schwimmflügel! und Nanne natürlich. Nun konnten sie endlich richtig im Wasser
toben.
Gegen November herum hatten wir hin und wieder mal Besucher, sie kamen und
gingen. Erkundigten sich nach den Kindern und stellten fragen zum Heim.
Im Dezember jedoch brach die Hölle aus. Es kamen Radiosender die Obst, Saft,
Kekse, Matratzen und vieles mehr brachten. Irgendwelche Hilfsorganisationen die
mit riesigen Mengen an Lebensmitteln kamen und auch viele privaten Leute aus
Kenya brachten Lebensmittel, Hühner usw. vorbei.
Weihnachten luden wir Nachbarn und Verwandte ein. Sie kamen mit Hühnern,
Anziehsachen, Spielsachen und Lebensmitteln als Weihnachtsgeschenke. Es wurde
gesungen gespielt und viel gelacht. Die Kinder und auch ich hatten ein
wunderschönes Weihnachten.
Am 27.12. wurden wir von einem Hotel eingeladen um vorzusingen. Die Kinder
brauchten ca. 5 Stunden um sich mit Tanz und Gesang fertig zu machen. Obwohl
sie erst um 19.00 abgeholt wurden, wurden die Tanzröcke schon um 14.00
Uhr gebügelt und anprobiert. Es herrschte große Aufregung. Dann war es endlich
so weit. 19.00 Uhr!!!!! Der Minibus kam aufs Gelände gefahren und die Kinder
fingen an zu kreischen und springen. Auf dem Weg ins Hotel wurde im stark überfüllten
Minibus sich lautstark eingesungen. Als der Minibus aufs Grundstück des
Kilifibay Hotels rollte, verstummten die Stimmen. Die Kinder standen wie
gelähmt dort und starten auf das riesige beleuchtete Hotel. Als ich mit den
Kindern kurz vor der Aufführung so da saß und ich sah wie die Kinder zu dem
Büffet schauten bei dem sich die Gäste mit feinen Anzügen anstellten taten mir
die Kinder sehr sehr leid. Ich konnte mir erahnen was wohl durch ihre Köpfe
geht. Nach der gut gelungen Aufführung wurden die Kinder durch Spenden der
Besucher und des Hotels reichlich belohnt. Die Kids freuten sich schon auf die
nächste Einladung.
Die Kinder lieben das Singen und Tanzen. Fast nach jedem Abendbrot wurde
gesungen und getanzt. Ich saß einfach nur da, lauschte und sah mir die
lachenden, singenden und fröhlichen Kinder an. Ich dachte an die Kinder in
Deutschland die schon mit 6 Jahren wie gelähmt vor der Playstation sitzen und
keinerlei Interesse fürs Singen und Tanzen haben und ich bin überglücklich das
ich genau in diesem Moment in Kenia bin. Jedes einzelne Kind hat eine so
schreckliche Vorgeschichte wie ich es keinem Kind der Welt wünsche. Den Kindern
wurde das liebste und wichtigste genommen. Den Kindern wurden diejenigen
genommen, die sie trösten, die sie liebten, den sie vertrauten. Für Kinder sind
die Eltern ein und alles und ohne sie hast du nichts. Ich versetze mich in die
Kinder und meine Augen füllen sich mit Tränen. Dann wach ich auf aus meinen
Gedanken und sehe die lachenden und tanzenden Kinder. Dank zweier Menschen
haben die Kinder wieder allen Grund zu lachen. Die Kinder haben wieder Eltern
und zugleich neuen Lebensmut. Die Kinder sind wahrscheinlich glücklicher als so
manch ein Kind ohne solch einer Vorgeschichte. Lachen tun sie auf jeden fall
mehr. Das weiß ich.
Ich habe Helmut und Petra in Kenia kennen gelernt und gesehen mit wie viel
Schweiß vergießen und liebe für die Kinder sie an ihrem Projekt arbeiten.
Ich trete Helmut und Petra mit tiefstem Respekt gegenüber. Was sie dort auf die
Beine gestellt haben ist beeindruckend. Sie gaben den Kindern eine zweite
Chance im Leben.
Aber ist es die Aufgabe allein zweier Leute Kindern in Not zu helfen?
Mathis
Bericht von Mathis aus dem
Waisenhaus Saidia kwa Moyo in Kilifi/Kenya, Juli 2005
Ich saß im Flieger und konnte
es nicht glauben, dass ich schon in wenigen Stunden wieder die Kinder in
den Arm nehmen konnte. Bei den Gedanken kribbelte mein ganzer Körper und
ein Lächeln zauberte sich in mein Gesicht. "Afrika, Afrika", sagte
ich immer wieder leise zu mir. Ich war zwar nicht all zu lange in Kenia und
Afrika (13-14 Monate)aber ich glaube, jeder der mich kennt, weiß wie gerne ich
dort bin und war.
Ich war nun schon wieder 5 Monate in Deutschland (wenn man meine Surfurlaube
abzieht wahrscheinlich nur 3 Monate), jedoch war ich in meinen Gedanken und
Wünschen noch nicht aus Afrika gegangen und fortwährend sah ich mich in meinen
Tagträumen mit den Kindern spielen. Besonders die erste Zeit in Deutschland war
sehr sehr hart. Es war als ob mein Geist noch in Afrika war und mein Körper in
Deutschland. Nun hatte ich noch einmal die Gelegenheit mich von den Kindern und
Afrika richtig zu verabschieden. Ich glaube, dass ich das brauchte um einen
klaren Kopf für mein bevorstehendes Studium zu bekommen.
Ich landete und konnte es
nicht erwarten den Flughafen zu verlassen. Draußen war ich überglücklich
endlich wieder Palmen zu sehen. Mein Trampen war erfolgreich und mich nahm
schon nach kurzer Wartezeit jemand mit. Ich lief zu dem Matatustand an dem die
Matatus nach Kilifi fuhren. Ich war am überlegen wie oft ich wohl schon hier
stand. OFT!!!
Und wie oft ich schon diese Strecke gefahren bin. OFT!!! Aber von all den
Fahrten kam mir keine länger vor als diese. Es war der Horror. Klar konnte ich
die Zeit nutzen um mir die Gegend wieder einmal anzuschauen und in Gedanken zu
versinken. Ich konnte mein Buch auspacken und lesen. Aber verdammt : das
einzigste was ich wollte war so schnell wie möglich zu den Kindern. Angekommen
grüßten mich gleich die ersten Leute. "Hi ! How are you? Are you back??
Where have you been??" Jedoch hatte ich jetzt keine Zeit dafür. Den Weg
vom Markt zum Heim bin ich fast gelaufen. Als ich nun endlich das Heim sah
raste mein Herz wie wild. Plötzlich als ich noch ein gutes Stück laufen musste
hörte ich Schreie aus Richtung Kinderheim. Dann hörte ich mein Namen. Die
Kinder kamen wie eine Riesenherde Büffel auf mich zugelaufen. Sie schmissen
sich auf mich und ich konnte mich nicht mehr halten und fiel um. Es war eine
wunderschöne Begrüßung.
Ich hatte zuhause meinen Schwestern vorgeschlagen, dass sie mich jeden Tag so
nach der Arbeit begrüßen könnten. Jedoch sah ich bei ihnen immer nur in
enttäuschte Gesichter wenn ich an der Tür geklingelt habe und ich nicht ihre
erhoffte Freundin war. J
Es war unbeschreiblich endlich wieder dort zu sein. Am Abend bekam ich nicht
einen Bissen von meinem eigenen Chapati runter. Natürlich musste ich von
jedem einzelnen das Essen probieren. Dally freute sich riesig über den
mitgebrachten Brief von ihren Godparents. Ich sehe immer wieder wie
sich die Kinder über Briefe von ihren Paten freuen. Sie halten den
Brief fest, lesen ihn mindestens 20 mal und zeigen den Brief jedem mit einem
Strahlen im Gesicht. Als ob es zur Zeit nichts Schöneres gebe. Briefe an die
Patenkinder sind meines Erachtens sehr wichtig. Man gibt den Kindern das
Gefühl, dass sie einem wichtig sind. Wenn man die Kinder besucht hat man
Geschenke für alle um gerecht zu sein. Jedoch brauchen die Kinder auch das
Besondere. Der Brief, der nur für sie ist und für keinen anderen. Es nicht
wichtig, ein teures oder ein großes Geschenk zu kaufen. Es reicht ein
Geschenk, das vom Herzen kommt - ein Geschenk, das als Erinnerung dient selbst
wenn es nur ein Brief ist. Ich glaube es war Esther???, die ein Armband von
ihrer Paten bekommen hat. Es kam Chrisl eines Tages vorbei und hatte eine Menge
Armbänder dabei. Esther suchte sich nicht irgendein Neues aus selbst wenn sie die
anderen schöner gefunden hätte. Allein aus dem Grund, dass das Geschenk von
ihrer Familie kam, das machte es zu etwas ganz Besonderem.
Das soll jetzt kein Aufruf sein das alle wie wild Geschenke runter schicken. Es
würde eh nur die Hälfte ankommen.J Jedoch wenn man möchte, dass die Kinder ein
frühzeitiges Weihnachten feiern, dann schickt doch mal den einen oder anderen
Brief runter. Die Kinder würden sich freuen.
O.K, zurück zu meinen Wochen.
Eine der Neuen oder die Neue, die ich noch nicht kannte war Halima. Sie ist ein
ganz nettes Mädchen, hilft sehr viel mit und ist mir einfach sehr sympathisch.
Bei Esther ist mir aufgefallen, dass sie langsam den Anschluss an die Gruppe
gefunden hat. Es ist natürlich auch für sie schwer gewesen, da sich die anderen
Kinder schon länger kennen. Wir haben alle viel miteinander gespielt. Ich finde
es immer wieder beeindruckend wie gut und wie gerne die Kinder in der Gruppe
spielen. Sie lieben einfach das gemeinsame Spiel. Ihr deutsches
Lieblingsspiel "Fischer Fischer" wurde verdrängt und nun steht
"hide and seek" (Verstecken spielen) an erster Stelle. Ah, dazu fällt
mir eine lustige Geschichte ein.
Also: nach dem täglichen Beten sollten die Kids sich verstecken. Oft dauerte
das "nur ein Versteck finden" schon länger als das eigentliche Spiel.
Als ich alle bis auf Tina gefunden hatte und sie nicht finden konnte rief ich,
dass sie raus kommen sollte, da ich sie nicht finden konnte und sie gewonnen
hat. Schon bei dem Wort "Gewinner" stürmen die Kinder
normalerweise heraus um vor den anderen Kindern ihren Freudentanz zu
präsentieren. Jedoch sah ich keine herumspringende Tina. Zaituni, ihre
große Schwester erzählte mir, dass sie Tina in das Mädchenzimmer gehen sah.
Nachdem ich ein paar T-Shirts aus einem großen Schrank heraus nahm, entdeckte
ich Tinas Gesicht. Sie war eingeschlafen (siehe Foto). Das Suchen hatte wohl zu
lange gedauert.... Zum Glück hatte sie Zaituni dort ins Zimmer gehen sehen. Das
wäre eine lange Nacht geworden. Für uns Beide.
Ich hatte mit den Kindern wunderschöne Wochen. Wir machten Feuer. Aßen
Marshmellows. Färbten Ugali mit Speisefarbe. Die Kinder sangen viel. Wir Jungs
mussten uns in der Küche beweisen. In 15-Minuten-Abständen tanzten wir während
des Kochens für die Mädchen (siehe Foto)
Zwei Vormittage, während die Kids in der Schule waren, verbrachte ich mit einem
Freund. Wir fuhren mit seinem Kanu raus um zu Angeln. Wir fingen genau, lass
mich überlegen....... waren das 2 oder 5- ach ne, wir hatten genau: zero....0
Fische! Aber beim Angeln ist die Anzahl der gefangenen Fische ja auch nur Nebensache
:-).
Zwei Tage spielte ich mit meinem alten Freunden im Fußballverein. Mein
Fußballverein in Deutschland sponserte Trikots. Die Spieler haben sich riesig
gefreut. Für 2 Tage besuchte ich das jetzt aufgelöste Teens Watch Center in
Ukunda. Dort hatte ich vor Bibimalaika`s Kinderheim gearbeitet. Ich verbrachte
dort wunderschöne 2 Tage, jedoch sehnte ich mich schon wieder nach Kilifi.
Wieder zurück in Kilifi brach wieder das große Geschrei aus. Obwohl ich den Kindern
erzählt habe, dass ich für einige Tage nach Ukunda gehen werde, dachte die
Mehrheit, dass ich nach Deutschland aufgebrochen war und das ich mir nach
einem Tag in Deutschland überlegt habe, wieder nach Kenia zu fliegen. Mary
berichtete mir stolz, dass sie einen Kenia Schilling gefunden hatte. "Wow,
nicht schlecht Mary!!! Hast du ein Glück! Und was willst du davon
kaufen??" Ich dachte nun kommt ein Bonbon etc... aber ne. Mary hat andere
Pläne. Sie legt das Geld an und wird sich Schuhe oder ein Auto kaufen. Ja, wenn
ich das nächstemal in Kenia bin haben wir vielleicht schon unser eigenes
Matatu. Ich hatte nur noch 3 Tage und obwohl ich jede einzelne Minute mit den
Kinder genoss und versuchte voll zu nutzen, flogen die 2 Wochen nur so vorbei.
Am letzten Tag machten wir wieder ein Feuer. Die Kinder sangen, wir saßen ums
Feuer, spielten Reise nach Jerusalem und "ich packe meine
Koffer"
Natürlich aßen wir Chapati und waren alle gut drauf. ....Bis zu dem Zeitpunkt
als es später wurde. Die Kinder realisierten, dass es der letzte Abend war und
traurige Stimmung und viele Tränen gingen rum. Es ist traurig, so viele
traurige Kindergesichter zu sehen. Ganz besonders, wenn man selbst der Grund
für die Traurigkeit ist. Kann es nicht eine Ankunft ohne Abschied geben?? Die
Kinder machten mir noch viele Chapatis für die Familie und dann ging es auch
morgens gleich los.
Die Kinder wissen jetzt, dass ich keine leeren Versprechungen mache und wenn
ich Zeit und Geld habe wieder komme.
Mathis
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